Besonders zur Schneeschmelze zeigt sich der Wildbach von seiner ungestümen Seite. Doch auch im Sommer sprudelt und schäumt es gewaltig zwischen den grün schimmernden, moosbewachsenen Granitblöcken, durch die sich der Fluss im Laufe der Jahrtausende eine tiefe Schlucht gegraben hat. Am Rand des Wanderweges türmen sich imposante Gesteinsformationen auf. Der „Pfahl“, ein fast 150 km langer Riss im Gebirgsgrund zwischen Naabtal und Linz, verläuft durch die Buchberger Leite. Er gehört zu den schönsten Geotopen Deutschlands.

Märchenland

Die Wildheit der Buchberger Leite und ihre verwunschene Atmosphäre hat die Menschen schon vor langer Zeit gefesselt und fasziniert. So ranken sich viele Märchen und Sagen um die Schlucht, von Rehen mit zwei Geweihen, verzauberten Burgfräulein und tapferen Edelmännern. Sogar einen Drachen soll es hier gegeben haben. Doch die vielleicht schönste Geschichte ist gleichzeitig die tragischste: Der letzte Puchberger, ein junger, eigenwilliger Gesell und einziger Sproß seines Geschlechts, hat gegen die Gepflogenheit seiner Zeit kein Edelfräulein, sondern eine einfache Müllerstochter geheiratet. Der erzürnte Vater enterbte ihn, doch der junge Edelmann verließ mit seiner Frau die Burg und wurde zum Strauchritter.

Gar manchen Säumerzug am Goldenen Steig hat er überfallen, sein Weib hat ihm dabei als Troßbub verkleidet geholfen. Eines Tages fingen Häscher die Beiden und verlangten eine hohe Lösesumme. Der Vater löste ihn auch aus, hatte aber einen finsteren Urteilsspruch gefällt: Der Sohn sei auf immer des Landes verwiesen, die Müllerstochter werde am Scheiterhaufen verbrannt. Ein letzter Wunsch wurde dem Verbannten noch zugebilligt. Da bat er sich seine Frau aus. Er nahm sie vor sich auf ein Roß und sprang mit ihr über Mauern und Felsen hinab in die Leite. Im wilden Saußbach haben sie ihr Ende gefunden. …

Weitere Reportagen zum Schwerpunktthema Archeologie & Geschichte in diesem Heft:

 
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