Die Wanderung an diesem Tag zu Gast in der Wallonie startet in Waulsort. Zunächst laufe ich parallel zur Hauptstraße in Richtung Schleuse. Es ist noch zu früh, um die Personenfähre für die Überquerung der Maas nutzen zu können. Kein Problem, denn über die Schleuse und die Staustufe führt ein ausgeschilderter Fuß- und Radweg, um die andere Uferseite trocken zu erreichen.
Auf der anderen Seite angekommen, folge ich dem breiten schattigen Uferweg und ich genieße das einfache Gehen mit dem Blick auf die Maas und Waulsort. Durch diese Schleife verlängert sich die Tour etwas. Doch der flache Uferweg ist einfach zu schaffen und schnell bin ich am Anleger der Fähre und dem kleinen Yachthafen des Ortes angekommen, meinem eigentlichen Ausgangspunkt.
Die Fährfahrt wird mein kleines Highlight nach der Tour. Mit Blick auf das schmale, flache Boot, das per Seil über die Maas gezogen wird, freue ich mich jetzt schon auf das Erlebnis. Doch eins nach dem anderen.
Allein mit der Natur
Es geht weiter geradeaus an den Booten vorbei. Hier und da rufe ich ein freundliches „Bonjour Monsieur!“ zu den bereits werkelnden Bootsbesitzern. Der Weg wird schmaler und führt durch den Wald, der sich bis ans Ufer erstreckt. Durch die Lücken der Bäume kann ich Blicke auf die andere Uferseite werfen.
Schließlich endet der Pfad an einem Tor und vor mir erstreckt sich eine riesige Wiesenfläche. Frisch gemäht ist sie mein Weg für die nächsten tausend Schritte. Aus dem Waldhang stechen Felsen hervor und ich blinzele gegen die Sonne in die Höhe, um sie kurz zu betrachten. Diese Landschaft spricht mich besonders an: Felsen, Wald und Wasser. Und auch auf der anderen Uferseite blinzeln die hell leuchtenden Kalksteinfelsen hervor, während ich über die Grasfläche laufe, ganz für mich allein.
In meinem Kopf versuche ich zu schätzen, wie viele Purzelbäume ich wohl ungestört über das Gras schaffen würde. Ein völlig absurder Gedanke, aber er macht mich glücklich in diesem Moment.
Dann weisen mich schließlich die rot-gelben Schilder auf einen langsam ansteigenden Weg nach rechts, weg vom Fluss. Es gilt jetzt, langsam Höhenmeter zu machen. Noch einmal drehe ich mich um und blicke den Weg hinab über die Wiese und die Felsen gegenüber. Dann umschließt mich mehr und mehr der Wald, verschluckt die Geräusche von Straßen und Booten. Stattdessen werden die Vogelstimmen lauter, während es sanft, aber stetig aufwärts geht.
Die Wegführung und Beschaffenheit fordert gerade so viel Aufmerksamkeit von mir, dass ich nicht viel über das ständige Aufwärts nachdenke. Stattdessen bestaune ich den plötzlich vor mir liegenden steinigen und unebenen Pfad mit grün leuchtenden Farnen und Bodendeckern bestückt. Wie durch ein kleines Bachtal schreite ich weiter nach oben. Feine Fäden von Spinnweben kreuzen den Weg und kitzeln meine Arme – offenbar ist hier heute Morgen noch niemand entlanggelaufen. Dann biegt der Weg ab und nach ein paar steileren Metern folgt der Pfad in einem ständigen, wunderschönen Auf und Ab am Rande der hier oben liegenden Wiesen entlang. Jetzt laufe ich oberhalb parallel zur Maas, auch wenn ich das Wasser durch den dichten Hang noch nicht sehen kann. Versteckt hinter Gebüsch und Bäumen liegt hier auch die Ruine von Château-Thierry. Eine Infotafel macht auf den Ort aufmerksam. Das Betreten der Ruine ist nicht möglich.
Aussichtspunkt & Eidechsen
Das Aussichtshighlight, "Le Drapeau", ist dann schneller erreicht als gedacht. Der Felsenvorsprung eröffnet einen fantastischen Blick über die Maas und Waulsort mit den weiß leuchtenden Gemäuern der Abtei. Eidechsen huschen schnell über den Felsen und eben im Dickicht habe ich sogar noch eine Blindschleiche entdeckt. Ich blicke eine Weile über die Szenerie und begreife, dass dies einer dieser besonderen Glücksmomente ist: völlig für sich allein diese Aussicht zu haben und innezuhalten.
Nach einer Weile mache ich mich wieder zurück auf den Pfad, der mich weiterhin umhüllt vom Wald, langsam bergab führt und schließlich am kleinen Hafen und der Personenfähre ans Ufer zurückführt.
Die Maas, ein Seil & ein Boot
Ich setze mich auf die Ufermauer und warte geduldig auf das Boot, welches per Seil vom Fährmann über das Wasser gezogen wird. Dieser Moment entschleunigt mich noch einmal spürbar. Hier gibt es keine feste Taktung. Wenn jemand übersetzen will, macht sich die Fähre langsam auf den Weg und holt dich ab.
Auf dem Boot genieße ich die ruhige, sanfte und kostenlose Überfahrt ganz für mich allein. Was für ein Service und Erlebnis! Gerne hätte ich den Fährmann noch Fragen zu dem Seil, der Wassertiefe und Herausforderungen gestellt. Leider reicht mein Französisch für eine solche Unterhaltung einfach nicht aus und so begnügen wir uns beide schweigend und lächelnd mit einer stillen Fahrt. "Merci beaucoup! Bonne journée!" bekomme ich dann aber zum Abschied doch noch flüssig über die Lippen.
Tipp: Die Wanderrunde kann erweitert werden, indem man der rot-gelben Beschilderung weiter im Hang nach dem Aussichtspunkt folgt und nicht den ersten Abstiegsweg benutzt. Ein Waldbach plätschert über Gestein am Weg entlang und gibt der Wanderrunde ihren Namen. Bergab trifft man dann an einem renovierten alten Herrenhaus wieder auf den Uferweg an der Maas.
Weitere Infos www.visitwallonia.de
Einkehrmöglichkeit: Auberge RIO direkt an der Uferstraße Waulsorts und am Anleger der Fähre.
Ganz in der Nähe: Schloss von Freÿr & seine Gärten – ein Hauch Versailles in der Wallonie




