"Welche große Wanderung könnte es dieses Jahr sein?", fragt sich Thorsten Hoyer. In Zeiten von Corona und im Jahr 30 nach der Wiedervereinigung hat sich der Extremwanderer und Chefredakteur des Wandermagazins das Grüne Band Deutschland ausgesucht! Mit unseren Updates direkt von der Strecke und dem GPS-Live-Tracker seid Ihr mit dabei! 

24 Tage, rund 1.200 Kilometer entlang des Grünen Bandes durch Deutschland – das ist Thorsten Hoyers nächstes Wanderabenteuer. Mehr als 40 Jahre war der Grünstreifen die streng bewachte Grenze zwischen West- und Ostdeutschland. Heute, 30 Jahre nach der Wiedervereinigung, ist das sogenannte Grüne Band ein Rückzugsort für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Thorsten Hoyer nimmt uns mit auf eine spannende Wanderung durch diese Erinnerungslandschaft, vom Dreiländereck an der tschechischen Grenze bis nach Travemünde an der Ostsee, 07. bis 30. September.

Durchschnittlich 50 Kilometer pro Tag sind für Extremwanderer Thorsten Hoyer aber noch nicht herausfordernd genug und ein wichtiger Teil der Grenzgeschichte, die Enklave des Grünen Bandes, Berlin, will auch noch unter die Füße genommen werden. Deshalb wandert Thorsten Hoyer passend zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober auch noch den Mauerweg in Berlin – schlaflos. Auch darüber werden wir hier im Wandertagebuch und auf Facebook berichten.

Mehr Infos zum Grünen Band und ein Interview mit Thorsten Hoyer findet Ihr hier

GPS-Live-Tracker

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Wandertagebuch

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Tag 1, 07. September 2020

Start: bei Mittelhammer am Dreiländereck Bayern-Sachsen-Tschechien
Ziel: Blankenstein 
54 km

Pünktlich um 8:00 Uhr ging es los an der deutsch-tschechischen Grenze – bei frischen 3° C. Thorsten wird sich jetzt warmlaufen.

Thorsten Hoyer am Startpunkt © Philippe Opigez
Das Grüne Band Deutschland ist Teil des Europäischen Grünen Bandes. © Philippe Opigez

Einen Großteil des Weges wird Thorsten Hoyer auf den alten Lochplatten des Kolonnenweges zurücklegen, auf dem einst die Autos der Grenzer fuhren. Für die Gelenke ist so viel Asphalt unter den Füßen eine Belastungsprobe. Thorsten Hoyer: "Zum Glück – das kann ich heute sagen – hatte die DDR damals nicht genug Geld und hat einen Grünstreifen in der Mitte freigelassen. Meine Gelenke freuts."

Auf dem alten Kolonnenweg zwischen Sachsen und Bayern © Philippe Opigez

Thorsten Hoyer macht einen Abstecher zum Dreilländereck Sachsen-Bayern-Thüringen und somit zum Drei-Freistaaten-Stein. "Ich bin nicht vom Weg abgekommen, wie besorgte Anrufer bereits vermutet haben, sondern bin genau dem alten Grenzverlauf gefolgt. Der Streckenverlauf ist nicht in Stein gemeisselt. Vor Ort sieht die Lage manchmal anders aus und deshalb sind spontane Änderungen durchaus möglich." Sachsen liegt nun hinter Thorsten, ab jetzt geht es weiter entlang des Grünen Bandes zwischen Bayern und Thüringen.

Das "KS" auf dem Drei-Freistaaten-Stein steht für Königreich Sachsen. © Philippe Opigez

Ab Hirschberg wird Thorsten Hoyer von Günter Wetzel auf den letzten Kilometern begleitet. Günter Wetzel gelang zusammen mit einer weiteren Familie eine der spektakulärsten Fluchten der DDR-Geschichte. In der Nacht zum 16. September 1979 überquerte er mit einem selbstgenähten Heißluftballon die Grenze nach Westdeutschland. In der Nähe des Ortes Neila, 15 km südlich des Grünen Bandes, landete damals der Ballon. Thorsten Hoyer und Günter Wetzel sind bereits für eine Reportage im Wandermagazin ein Stück zusammen gewandert, nachzulesen in der Herbstausgabe 208. Schön, dass dies auch am Grünen Band nochmal klappt.

Thorsten Hoyer und Günter Wetzel mit Hund © Philippe Opigez

Durch die Dreharbeiten für den geplanten Dokumentarfilm zu Thorstens Wanderung ist alles ein wenig später geworden und die Batterie des GPS-Trackers knapp 2 km vor dem ersten Etappenziel Blankenstein leer, deshalb an dieser Stelle die gerade Linie. Thorsten, sein Begleiter Günter Wetzel sowie unser Kameramann sind aber zu Fuß in der Unterkunft angekommen. Nun werden alle Energiespeicher wieder aufgeladen. 

Hier noch ein Bild vom Grünen Band bei Mödlareuth. Die ehemalige Grenze verlief direkt durch den Ort. © Philippe Opigez

Tag 2, 8. September 2020

Start: Blankenstein
Ziel: Kleintettau
51 km

Die Wander-Kombo für heute ist komplett. Ein kurzes Foto am Drehkreuz des Wanderns und los geht's!
Am Drehkreuz des Wanderns bei Blankenstein treffen fünf große Weitwanderwege aufeinander: der FrankenwaldSteig, der Frankenweg, der Fränkische Gebirgsweg, der Kammweg und der Rennsteig. Für den Großteil der heutigen Etappe, werden Thorsten und seine Begleiter dem legendären Rennsteig folgen. Dabei geht es zunächst durch das Thüringer Schiefergebirge und dann weiter an der bayerisch-thüringischen Grenze entlang druch den Frankenwald.

Thorsten Hoyer, Markus Franz vom Team Frankenwald Tourismus und Thorstens Freund Knut Seibel,
der letztes Jahr mit ihm zusammen den Snowman-Trek im Bhutan gewandert ist. © Philippe Opigez

Hier auf dem alten Kolonnenweg lässt man buchstäblich Gras über die Sache wachsen. Jahrzehntelang konnte sich die Natur an der ehemaligen innerdeutschen Grenze relativ ungestört entwickeln. Für viele bedrohte Tierarten in Deutschland ist das Grüne Band eines der selten gewordenen Rückzugsgebiete geworden. Das Ziel des Naturschutzprojektes Grünes Band Deutschland ist es, diese Natur und die Artenvielfalt zu erhalten und weiter zu fördern.

Die Zeit heilt alle Wunden. © Philippe Opigez

Auch heute Abend sind Thorsten Hoyer und seine beiden Begleiter bis nach 20 Uhr unterwegs. Aber der Aufstieg zur Thüringer Warte hat sich gelohnt.

Aufstieg zur Thüringer Warte © Philippe Opigez
Blick auf Burg Lauenstein vom Aussichtspunkt der Thüringer Warte © Philippe Opigez
Markus Franz und Thorsten Hoyer auf der Thüringer Warte © Philippe Opigez 

Den Verlauf der ehemaligen innerdeutschen Grenze kann man heute noch an der Vegetation erkennen, erklärt Markus Franz. Der Grenzstreifen wurde weitesgehend baumfrei gehalten. Am Grünen Band sind die Bäume also vielfach jünger und die Artenvielfalt größer. 

Die Vegetation am Grünen Band ist anders als in den benachbarten Wäldern. © Philippe Opigez

Tag 3, 9. September 2020

Start: Kleintettau
Ziel: Sonneberg
51,5 km

Thorsten Hoyer ist in seinem Element: Kilometer machen, Wege suchen und spannende Gespräche führen. Heute ist Michael Wolf mit dabei, ehemaliger grenznaher Soldat und nun Wegewart im Frankenwaldverein. Er hat für die Nato am Tieffliegerradar gearbeitet und überwacht, ob sich auf der DDR-Seite jemand der Grenze näherte. Wie im Science-Fiction Film sei das damals alles gewesen, erzählt er, wie in einer anderen Welt. Wie gut, dass das heute hier alles weg ist. 

Michael Wolf, Knut Seibel und Thorsten Hoyer am Grünen Band in der Nähe von Tettau. © Philippe Opigez
Für alle, die es nicht selbst miterlebt haben, ist heute wohl nur schwer vorstellbar,
welche Szenen sich hier einmal abspielten. © Philippe Opigez

An manchen Stellen ist der Kolonnenweg komplett zugewachsen, nicht mehr vorhanden oder zumindest nicht mehr begehbar. Dann muss sich Thorsten Hoyer einen anderen Weg suchen. Immer wieder kann man auch bewachsene Betonteile an der Strecke finden. Sehr wahrscheinlich handelt es sich dabei um Reste der alten Grenzanlage. Nach "dem Fall der Mauer" ist hier der Boden in der Nähe des Grenzstreifens durchpflügt worden, um Minen aufzuspüren. Viele Überreste des Zauns liegen aber noch immer hier.

Überreste der Grenzanlage findet man immer wieder am Kolonnenweg. © Philippe Opigez

13:00 Uhr: Für alle, die sich jetzt über die gerade Linie und den schnell hopsenden GPS-Standort wundern: Thorsten ist ausnahmsweise im Auto unterwegs und folgt der Einladung von Professor Dr. Kai Frobel nach Mitwitz. Dort hat Prof. Dr. Frobel vom BUND Bayern vor 31 Jahren alle wichtigen Naturschutzvertreter an einen Tisch gerufen, es war die Geburtsstunde des Grünen Bandes.

Zurück am Grünen Band nördlich von Mitwitz: Thorsten Hoyer und Prof. Dr. Kai Frobel © Philippe Opigez

Einige Kilometer später: Thorsten ist inzwischen wieder allein unterwegs und steuert auf sein heutiges Ziel zu. Ein Stimmungsbild am Ende des dritten Tages.

 

Tag 4, 10. September 2020

Start: Sonneberg
Ziel: Bad Colberg
63 km

Guten morgen! 7:30 Uhr – Der frühe Vogel fängt den Wurm! Mit 63 km liegt heute die längste der 24 Etappen vor Thorsten Hoyer. Auf den ersten Kilometer begleitet ihn Lisa Hümmer von der Region Coburg.Rennsteig für ein Interview. Dann hat Thorsten den Kolonnenweg erstmal für sich allein. 

Thorsten Hoyer und Lisa Hümmer beim Start nahe Sonneberg in der Region Coburg.Rennsteig © Philippe Opigez

14:00 Uhr: In der Region Coburg.Rennsteig macht das Grüne Band seinem Namen alle Ehre. "Dieser Abschnitt ist landschaftlich, was das Erlebnis Grünes Band betrifft, bisher mein Highlight. Offene Flächen mit tollen Ausblicken, die das Grüne Band für das menschliche Auge erst so richtig erkennbar machen, dazu Mischwälder und Heideflächen." Der schmale grüne Streifen in der Mitte des Kolonnenwegs hingegen entpuppt sich als weniger schön für die Füße: "Ich bin gerade freiwillig wieder auf die unbequemen Betonplatten gewechselt, weil es auf dem Grünstreifen so uneben ist. So wechsele ich hin und her zwischen Beton und Gras." Schritt für Schritt, Kilometer für Kilometer, noch ca. 35 km bis zum Zielort Bad Colberg.

Heideflächen am Grünen Band in der Region Coburg.Rennsteig © Thorsten Hoyer
Unser Chefredakteur kann auch Selfie ;)  © Thorsten Hoyer
Das Grüne Band als Schneise im Wald. Schafe helfen die Fläche vor Verbuschung zu schützen. © Thorsten Hoyer

17:00 Uhr: So gut es Thorsten Hoyer in dieser Landschaft auch gefällt, er hat sich nach reiflicher Überlegung und den Erfahrungen des zweiten Tages (es war bereits dunkel, der Kolonnenweg verschwand unauffindbar im Unterholz, Thorsten Hoyer und seine Begleiter standen vor Zäunen und Bächen) dazu entschieden, das Grüne Band zu verlassen und einen direkteren Weg zum Etappenziel einzuschlagen. Somit werden es heute statt der geplanten 63 km 53 km sein - reicht auch. Und siehe da, wie es das Schicksal will, findet sich Thorsten nun auf dem Iron Curtain Trail wieder, dem Radweg, der dem Verlauf des Eisernen Vorhangs durch Europa folgt. "Es fügt sich alles.", stellt Thorsten Hoyer zufrieden fest.


Tag 5, 11. September 2020

Start: Bad Colberg
Ziel: Zimmerau
43 km

10:30 Uhr: Die Sonne strahlt vom Himmel und Thorsten Hoyer ist seit drei Stunden wieder auf dem Weg. Die drückende Ferse hat ihren Widerstand aufgegeben, sie zieht gegen Thorstens Durchhaltevermögen den Kürzeren. Die heutige Etappe von 43 km lässt auf einen frühen Feierabend hoffen und auf ein paar Extrastunden, in denen unserer Extremwanderer die Füße hochlegen kann. Wir würden es ihm gönnen. Erstmal geht es weiter immer entlang der bayerisch-thüringischen Grenze.

Tag 6, 12. Septemeber 2020

Start: Zimmerau
Ziel: Schwickershausen
50 km

10:45 Uhr: Unser Chefredakteur Thorsten Hoyer ist gestern Abend gut im Quartier angekommen. Leider gab es keine stabile Internetverbindung, sodass wir uns bis zu den neuen Bildern von gestern noch etwas gedulden müssen. Thorsten, da sind wir uns sicher, genießt seine Ruhe auf dem Grünen Band, das sich heute geradezu durch die Landschaft kreuselt. So zumindest scheint es beim Blick auf die Karte und so verlief auch die ehemalige Grenze. 20 km sind schon geschafft.

21:30 Uhr: Ein herausfordernder Wandertag geht zu Ende. Während Thorsten Hoyer den Tag mit zwei alkoholfreien Weizen ausklingen lässt und die Nachrichten schaut, lest Ihr hier die Nachrichten vom Grünen Band im Überblick:

• Augen zu und durch: "Das Grüne Band mäandert und schlängelt sich hin und her, sodass ich diesen inselartig aufgragenden Berg zuerst vor mir hatte, dann hinter mir, dann neben mir ... und gefühlt kaum vorwärts kam. Den Großen Gleichberg habe ich heute einfach nicht aus dem Blick gekriegt." Zwei "Kreusel" des Grünen Bandes hat Thorsten Hoyer schließlich links liegen gelassen. Am Ende der Etappe waren es laut GPS-Tracker gut 50 km. 

• Enttäuschung des Tages: Die Lochplatten haben keine Löcher mehr. Während Thorsten zu seiner Freude in den vergangenen Tagen immer wieder "florale Kleinode" in den Löchern des Kolonnenweges entdeckt hatte, musste er heute feststellen, dass die Löcher in den Betonplatten über große Strecken zugegossen waren, was zum Verschwinden der "floralen Kleinode" führte.

 Held des Tages: Heute Morgen verließ Thorsten Hoyer ohne Frühstück das Quartier. Unterwegs gab es weder eine Ortschaft noch eine Einkehrmöglichkeit, was den Wasservorrat von drei Litern bedenklich schrumpfen ließ. Das angesteuerte Café in der heutigen Unterkunft bleibt bis zum Jahresende wegen Corona geschlossen und so wurde Hendrich Burkhard, Inhaber der Landgasthauses "Grüner Baum" in Schwickershausen mit seinen "Knackern im Brötchen" zum Held des Tages.

• Glückspilz des Tages: Ca. 50-60 Mäuse kreuzten Thorsten Hoyers Kolonnenweg, doch ein Maulwurf sorgte von der Seite kommend für einen abrupten Stillstand der Wanderung. Thorsten Hoyer: "Ich habe sofort angehalten, der Junge ist ja blind. Ich wollte ihm raten, zuerst links und rechts zu schauen, bevor er den Weg überquert, aber das geht ja nicht. Insofern hatte der Maulwurf Glück, dass ich nicht auf ihn getreten bin."

• Die Wetteraussichten für morgen, Sonntag, den 13. September: Hoch Leiki bescherrt Südthüringen auch morgen einen wolkenfreien Himmel und sommerliche Temperaturen mit bis zu 26° C. 

Thorsten Hoyer bittet um Entschuldigung, dass die Berichterstattung aufgrund technischer Störungen heute erneut ohne Bilder erfolgen muss. Das holen wir auf jeden Fall nach!

Eine Collage der "floralen Kleinode" im Kolonnenweg © Thorsten Hoyer

Tag 7, 13. September 2020

Start: Schwickershausen
Ziel: Lahrbach
56 km

Heute lässt Thorsten Hoyer den Großen Gleichberg definitiv hinter sich und nähert sich der thüringischen und hessischen Rhön. Und zum ersten Mal nach drei Tagen begegnet Thorsten anderen Wanderern. Ansonsten wird er von den Rufen dutzender Rotmilane begleitet, die am Himmel ihre Kreise ziehen. "Dieses Pfeifgeräusch werde ich sicher immer mit diesem Streckenabschnitt und der Region verbinden.", sagt Thorsten Hoyer. Deutschland ist eines der Hauptverbreitungsgebiete für Rotmilane, doch auch hier bei uns sind sie stark gefährdet. In den offenen hügeligen Feld- und Wiesenlandschaften am Grünen Band scheinen sie sich wohlzufühlen.

Grenztürme sind am Grünen Band noch recht häufig zu sehen. Dieser hier wird heute von einem Uhu "besetzt". © Thorsten Hoyer
So oder so ähnlich sah ein Grenzübergang aus, wenn man sich von westlicher Seite näherte. © Thorsten Hoyer
Ein höchst willkommener Snack direkt vom Baum © Thorsten Hoyer

Tag 8, 14. September 2020

Start: Lahrbach
Ziel: Rasdorf
47,5 km

10:00 Uhr: Seit gestern Nachmittag wandert Thorsten Hoyer nun entlang der hessisch-thüringischen Grenze. "Landschaftlich ist es super schön, tolle Aussichten! Die Füße machen auch mit, sogar besser noch als an Tag drei und vier. Nur das Schuheanziehen morgens, das macht nicht so viel Spaß." Das Highlight heute wird die Gedenkstätte Point Alpha. An der Straße zeigt das Schild dorthin den direkten Weg nach links an. Für Thorsten aber geht es – mit einem Abstecher zur Bäckerei – zurück zum Grünen Band und auf "Umwegen" zum Point Alpha. Der Weg ist das Ziel.

11:15 Uhr: Das Grüne Band wird zum "Survival"-Training. Der Kolonnenweg verschwindet langsam unter Gräsern, ist irgendwann komplett zugewachsen und dann nicht mehr vorhanden, die Betonplatten sind an der Seite übereinander gestapelt. Das GPS-Gerät zeigt einen Weg in den Wald an doch hier machen mannshohe Disteln und Brennesseln sowie Brombeerranken, die sich Thorsten um die Beine schlingen, das Weiterkommen fast unmöglich – und es kostet viel Zeit. Kaum hat sich Thorsten Hoyer durch das Gestrüpp nach draußen gekämpft, steht er vor einem Elektrozaun. "Ja, auch das ist das Grüne Band, man weiß nie, was einen erwartet." 

21:00 Uhr: Die heutige Etappe war eine Tortur. Mehrere Male musste Thorsten Hoyer den geplanten Streckenverlauf verlassen und sich einen neuen Weg suchen, ohne zu wissen, wo er den Kolonnenweg wieder finden wird. Als Thorsten Hoyer am späten Nachmittag an der Gedenkstätte Point Alpha auf unseren Filmemacher Philippe Opigez trifft, steht ihm die Anstrengung ins Gesicht geschrieben.

Ein harter Tag ...  © Philippe Opigez

Point Alpha war bis 1989 einer von vier Beobachtungsstützpunkten der USA und spielte eine wichtige Rolle im Verteidigungskonzept der NATO. Heute ist Point Alpha eine Gedenkstätte und ein Zeitzeugnis. Anhand originaler und nachgebauter Grenzanlagen, kann man über den Aufbau der Sicherungsanlagen lernen, über die militärischen Abläufe sowie über das Leben an der Grenze aus Sicht der Bevölkerung.

Point Alpha macht nachdenklich © Philippe Opigez
Thorsten Hoyer am Point Alpha © Philippe Opigez

Die wunderschöne Abendstimmung entschädigt für die Strapazen auf dem Weg und Thorsten ist am Ende des Tages wieder zum Scherzen aufgelegt. "Die Stimmung hier am Point Alpha und der Sonnenuntergang waren so besonders, dass wir noch lange geblieben sind. Es war ein perfektes Ende der Etappe."

Eine halbe Stunde später kann Thorsten Hoyer wieder lachen © Philippe Opigez

Tag 9, 15. September 2020

Start: Rasdorf
Ziel: Obersuhl
51,5 km

9:00 Uhr: Nach den Strapazen der schwierigen Etappe gestern startet Thorsten Hoyer gut gelaunt in die neunte Etappe am Grünen Band. Unser Kameramann Philippe hat ihn von der Unterkunft zurück zum Kolonnenweg gebracht. Nach den vielen zusätzlichen Kilometern der vorherigen Tage ein fairer Ausgleich für die Füße. "Ich höre in meinen Körper hinein, jeden Tag weit mehr als 50 km wäre nicht gut." sagt Thorsten Hoyer, "Aber ich bin so dankbar für all die Erlebnisse hier am Grünen Band und dass ich den ganzen Tag draußen sein und mein Ding machen kann."

11:00 Uhr: Thorsten Hoyer passiert den Beobachtungsturm Winterliete bei Unterbreizbach in der Rhön. Er war einer von ehemals 600 Beobachtungstürmen entlang der 1.400 km langen deutsch-deutschen Grenze. Etwas versteckt und unzugänglich gelegen, geriet der Turm wohl in Vergessenheit bis er 2008 zum Kulturdenkmal erklärt wurde. Im Hintergrund sieht man den riesigen "Monte Kali", eine Salz-Halde des Kalibergbaus, ebenfalls nahe der hessisch-thüringischen Grenze.

Am Beobachtungsturm Winterliete, im Hintergrund "Monte Kali" bei Heringen © Philippe Opigez

15:00 Uhr: Inzwischen hat Thorsten Hoyer die Werra erreicht. Die Brücke der Einheit bei Vacha war während der Zeit des geteilten Deutschlands gesperrt, da sie direkt auf der Grenze lag.

Die 225 m lange Steinbogenbrücke stammt aus dem Mittelalter und
verbindet das thüringische Vacha mit dem hessischen Philippsthal. © Philippe Opigez
Über die Werra, im Hintergrund liegt Vacha © Philippe Opigez

Die Geschichte des Hauses Hoßfeld kurz hinter der Brücke ist besonders kurios. Die Grenze verlief ehemals mitten durch das Gebäude. Da sich die Haustür im Ostteil des Hauses befand, gehörte das gesamte Anwesen zur DDR. In der Silvesternacht 1951 auf Neujahr 1952 jedoch mauerte Familie Hoßfeld die Verbindungstür zum thüringischen Teil des Hauses zu und baute eine neue Haustür auf westdeutscher Seite ein. Somit verloren sie zwar den thüringischen Teil des Hauses, unterstanden aber aufgrund des Ein-und Ausgangs auf hessischer Seite von nun an den amerikanischen Truppen.

Am Ende der Brücke steht das Haus Hoßfeld direkt auf der ehemaligen Grenze. © Philippe Opigez

Tag 10, 16. September 2020

Start: Obersuhl
Ziel: Völkershausen (Wanfried)
54,5 km
1.500 Höhenmeter im Aufsteig

Tag zehn auf dem Grünen Band heute im Werratal mit Ralph Hübschmann, einem langjährigen Freund von Thorsten Hoyer aus der hessischen Heimat. Er war von Beginn an Feuer und Flamme für Thorstens Wanderidee und Unterstützer des Projekts. Selbst erprobter Wandermarathon-Gänger, hat er es sich nicht nehmen lassen, Thorsten Hoyer auf zwei der anstrengendsten Etappen zu begleiten. Heute sind es allein 1.500 Höhenmeter im Anstieg. 

Thorsten Hoyer und Ralph Hübschmann © Philippe Opigez

Ralph Hübschmann ist Geschäftsführer des Familienunternehmens Hübschmann, welches sein Vater 1975 im hessischen Korbach gründete. Durch die Wende ergaben sich eine Vielzahl neuer unternehmerischer Kooperationen. Das Familienunternehmen Hübschmann gründete jedoch keine eigenen Niederlassungen im Osten, sondern gab Starthilfen in Produktion und Know-How, sodass ehemalige DDR Bürger eigene Unternehmen gründen konnten.

Mal wieder mussten sich die beiden durch das Gestrüpp kämpfen.
Der Kolonnenweg ist teilweise komplett zugewachsen und nicht mehr aufzufinden. © Philippe Opigez

13:45 Uhr: 500 km sind jetzt geschafft und wir sind ehrlich gesagt ganz froh, Thorsten Hoyer auch einmal sitzen zu sehen. In einer Grußbotschaft erzählt er von den ersten 20 Kilometern heute.

Tag 11, 17. September 2020

Start: Völkershausen (Wanfried)
Ziel: Hohengandern
43 km
1.200 Höhenmeter im Aufsteig

Gestern Abend sind Thorsten Hoyer und sein Begleiter Ralph Hübschmann in die Dunkelheit geraten. Die Suche nach alternativen Wegen für den nicht vorhandenen Kolonnenweg am Vormittag hat viel Zeit gekostet und noch dazu gab es zahlreiche Aufstiege, insgesamt 1.500 Höhenmeter, zu bewältigen. Als dann die Batterie des GPS-Geräts leer war und die beiden plötzlich im Dunkeln vor einem Abhang standen, entschieden sie sich für den sichereren Abstieg nach Rambach. Hier konnte sie unser Kameramann Philippe Opigez abholen und zur Unterkunft bei Wanfried bringen.

Eine wilde Wiese bei Wanfried © Philippe Opigez

 

Auf keinen Fall wollen sich Thorsten Hoyer und Ralph Hübschmann verlaufen.
Also wird der GPS-Track genauestens studiert. © Philippe Opigez

Wie schon bei Thorsten Hoyers 300 km Wanderung ohne Schlaf wird unser Extremwanderer von Filmemacher Philippe Opigez begleitet. Er fängt Thorsten immer wieder an der Strecke ab, filmt, knipst Fotos, packt alles wieder ein, fährt ein Stück voraus, und läuft den Kolonnenweg auf und ab auf der Suche nach dem besten Drehspot. Im nächsten Jahr wird ein Dokumentarfilm über Thorsten Hoyers Wanderung entlang des Grünen Bandes erscheinen. Bis dahin empfehlen wir Euch den Film "Der Hoyer wandert" von Philippe Opigez.

Behind the scenes © Philippe Opigez

14:00 Uhr: Vom hügeligen Werratal geht es in das nicht weniger hügelige Eichsfeld immer entlang der hessisch-thüringischen Grenze. Thorsten Hoyer und Ralph Hübschmann meistern Anstieg um Anstieg. Hier verlassen sie gerade den Ort Kella, im Hintergrund sind die bereits bestiegenen Berge zu sehen. 555,5 km sind es um 13:24 Uhr insgesamt, etwas mehr als geplant zu diesem Zeitpunkt, aber schon bald die Hälfte!

Thorsten Hoyer und Ralph Hübschmann verlassen den Ort Kella. © Philippe Opigez
Kurze Pause, die Stimmung ist gut. © Philippe Opigez

Tag 12, 18.09.2020

Start: Hohengandern
Ziel: Fuhrbach
50 km 

Der Aufbruch viel etwas schwerer heute morgen, was aber einzig und allein dem besonderen Übernachtungsort und Gastgeber geschuldet war. Fabian von Berlepsch hat Thorsten Hoyer auf das urige Schloss Berlepsch eingeladen und aufgetischt. Das Schloss befindet sich kanpp 10 km von der ehemaligen Grenze entfernt auf den Anhöhen des hessischen Werratals und in 19. Generation im Familienbesitz.

09:45 Uhr: Sag mal, Thorsten, tun dir eigentlich die Füße gar nicht weh? "Den Füßen geht es prima. Fußmodel werde ich im Moment zwar nicht, aber die Füße machen jetzt besser mit als an Tag drei und vier." Thorsten Hoyer scheint zum Wandern geboren zu sein. "Als der liebe Gott mir die Kraft zum Laufen gegeben hat, muss ein Tropfen mehr aus der Kanne geflossen sein.", scherzt er. Macht nichts, wir lassen Thorsten gerne weiter laufen.

Thorsten Hoyer genießt das unterwegse sein, Tag 11 © Philippe Opigez

Auf westlicher Seite des Kolonnenwegs hat Niedersachsen heute morgen Hessen abgelöst. Auf östlicher Seite hingegen, wandert Thorsten Hoyer seit Tag eins hauptsächlich auf thüringischem Gebiet. Mit 763 von 1.393 km hat das Bundesland Thüringen den größten Anteil am ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen. Am 1.1.2010 ging die Fläche des Grünen Bandes, 3900 Hektar zersplitterter Grundbesitz, in das Eigentum der Stiftung Naturschutz Thüringen ein, die sich seit dem in der Verantwortung sieht, Deutschlands größten Biotopverbund zu pflegen und zu schützen.

12:00 Uhr: Unser Chefredakteur macht Strecke und ist guter Dinge. Kein Wunder, die Hügel werden flacher und bei einem Schnitt von 5,6 km pro Stunde kann man mit Fug und Recht behaupten: Es läuft. Für einen Anruf hat er dann aber doch kurz angehalten.


14:30 Uhr. Bei Böseckendorf nahe Duderstadt trifft Thorsten Hoyer auf Georg Baumert vom Grenzlandmuseum Eichsfeld. Der kleine Ort wurde am 2.10.1961 Schauplatz der größten gemeinschaftlichen Flucht der DDR-Geschichte. Die Häfte der Einwohner, 16 Familien darunter 21 Kinder, flüchteten durch das teilweise verminte Sperrgebiet in die BRD. Nördlich von Göttingen bei Angerstein fanden viele der Flüchtlinge aus dem Eichsfeld eine neue Heimat und nannten den Ort Neu-Böseckendorf.

Thorsten Hoyer, Georg Baumert und Philippe Opigez am Fluchtpunkt bei Böseckendorf im Eichsfeld © Christian Zöpfgen
Das Etappenziel vor Augen - hier mit Thorsten Stolze, Wegewart der Stadt Duderstadt, in der Sielmann-Hütte © Christian Zöpfgen
Ein guter Tag am Grünen Band geht zu Ende. © Philippe Opigez

Tag 13, 19. September 2020

Start: Fuhrbach
Ziel: Hohegeiß
48 km

Guten Morgen vom Grünen Band Deutschland! Heute geht es in den Harz.

Thorsten Hoyer an der Unterkunft Domäne Paterhof in Fuhrbach © Philippe Opigez

Tag 13 ist auch ein Familientag, denn am Nachmittag bekommt Thorsten Hoyer Besuch von seiner Frau und seiner Tochter Svea, die ihn den Rest des Tages begleitet. Zugunsten von etwas mehr Familienzeit und anstatt vier Kilometer Kolonnenweg entlang der Straße, beenden sie die Etappe am Drei-Länder-Stein bei Kilometer 48 und fahren zusammen zur Unterkunft. Am nächsten Morgen geht es weiter, von nun an entlang des Grünen Bandes zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Tag 14, 20. September 2020

Start: Hohegeiß
Ziel: Abbenrode
42,5 km

Die heutige Etappe ist etwas kürzer, aber dafür mit Brockenüberquerung, dem letzten großen Anstieg auf dem Weg nach Travemünde an der Ostsee. Noch vor dem Start heute Morgen hat Thorsten Hoyer das Grenzmuseum Sorge und Inga Winkel, Vorsitzende des Grenzmuseum Sorge e.V. besucht. An einigen Stellen des Grünen Bandes sind originale Abschnitte der ehemaligen Grenzanlage erhalten geblieben. In Sorge im Oberharz sind diese Überreste zu einem Freilichtmuseum ausgebaut und mit vielen anderen Artefakten ergänzt worden. Sie machen Besuchern das System der Grenzsicherung verständlich und halten die Erinnerung an die Zeit der Deutschen Teilung wach. Wie die Sammler der Harzer Wanderstempel vielleicht wissen, befindet sich auf dem kleinen Rundweg im Freilichtmuseum die Stempelstelle 46 der Harzer Wandernadel

Thorsten Hoyer mit Inga Winkler, Vorsitzende des Grenzmuseum Sorge e.V. © Philippe Opigez

Vom Grenzmuseum aus fährt auch eine der Harzer Schmalspurbahnen zum Brocken. Thorsten Hoyer läuft natürlich. Am Gipfel erwartet ihn ein weiteres spannendes Treffen mit jemandem, der eine ganz besondere Verbindung zum Brocken hat ...

Auf geht's zum Harzer Brocken! © Philippe Opigez

Vielleicht könnt Ihr es euch schon denken, es ist der "Brocken-Benno", mit bürgerlichem Namen Benno Schmidt. Den Beinamen bekam er, als er den Brocken am 25. August 1995 zum 1000. Mal bestieg. Stand heute sind es unvorstellbare 8905 Mal.

Zwei Extremwanderer Treffen sich am Brocken. © Philippe Opigez

Zwischen 1961 und 1989 befand sich der Gipfel des Brockens genau im Sperrgebiet zwischen der DDR und der BRD. Benno Schmidt protestierte mit vielen hundert Menschen am 3. Dezember 1989 für die Befreiung. Seit dem steigt er von seinem Wohnort Wernigerode fast täglich auf den Brocken, an manchen Tagen sogar fünf Mal.

An dieser Stelle protestierte Benno Schmidt 1989 für die Befreiung des Brockens und der DDR. © Philippe Opigez

Während der Brocken gesperrt war und sich auf seinem Gipfel eine Abhöranlage befand, hatte Benno Schmidt eine Sondererlaubnis für das Gebiet, wurde jedoch aufgrund nicht gemeldeter West-Kontakte vom Staatssicherheitsdienst beobachtet. Heute ist "Brocken-Benno" Botschafter des Grünen Bandes Sachsen-Anhalt.

Thorsten Hoyer erleidet währenddessen einen Kulturschock, denn so viele Menschen wie auf dem Brocken sind ihm schon lange nicht mehr begegnet. In den vergangenen 13 Tagen auf dem Grünen Band waren es neun, die kleinen Ortschaften nicht mit eingerechnet. Inzwischen steuert er schon auf das heutige Etappenziel, Abbenrode, zu.
 

Da kommen Erinnerungen hoch... Andreas Weihe, Vorsitzender des Heimatvereins Abbenrode, hat Thorsten Hoyer und Philippe Opigez zwei Zimmer zur Verfügung gestellt. © Philippe Opigez

Tag 15, 21. September 2020

Start: Abbenrode
Ziel: Hötensleben
60,5 km

Aufbruch am Heimatmuseum Abbenrode. Die britische Telefonzelle war ein Geschenk von westdeutschen Freunden an die Abbenroder anlässlich der Grenzöffnung. In Abbenrode, damals Sperrgebiet, gab es keine Telefonzellen und die Deutsche Post durfte keine Telefonzellen in die ehemalige DDR liefern. Da musste es eben eine aus dem Ausland sein. Sie erwies den Abbenrodern gute Dienste und steht bis heute symbolisch für eine deutsch-deutsche Freundschaft. "Sich das ins Bewusstsein zu rufen, erscheint heute wichtiger denn je", sagt Andreas Weihe, Vorsitzender des Heimatmuseums Abbenrode.

Thorsten Hoyer vor dem Heimatmuseum Abbenrode und der britischen Telefonzelle © Philippe Opigez

"Ich habe das Gefühl, ich laufe mich immer besser ein", sagt Thorsten Hoyer zufrieden, "Trotzdem spüre ich am Abend natürlich die vielen Kilometer auf dem harten Kolonnenweg und somit auch dieses wahnsinnige Unterfangen, die damalige DDR abzuriegeln, am eigenen Körper und Schritt für Schritt." 

Andere versuchen mit Kunstwerken am Grünen Band das auszudrücken und erlebbar zu machen, was die Menschen am ehemaligen Grenzstreifen bis heute bewegt. Dieses Kunstwerk wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Künstler und Künstlerinnen Detlef Kiep, Nicole Mentner und Anna Kolle geschaffen und steht im GeoPark Harz. Braunschweiger-Land. Ostfalen. Die Grenze verlief hier direkt über den Acker. Der Riss symbolisiert den Grenzverlauf zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Ein Kunstwerk am Grünen Band © Philippe Opigez
Nahaufnahme desselben Kunstwerks, im Hintergrund liegt der Brocken © Philippe Opigez

16:30 Uhr: Seit Hornbug geht es nun schon gerade aus, fast 40 km auf dem Kolonnenweg über Felder und Ackerflächen. So anstrengend das "gekreuselte" Grüne Band zuvor auch gewesen sein mag, dieser Streckenabschnitt ist auf seine ganz eigene Art herausfordernd. 

Vier Stunden lang bleibt der Anblick unverändert.
© Philippe Opigez

Und dann steht Thorsten Hoyer auch noch vor einem unüberwindbaren Graben. Nach links ausweichen? Der Graben wird nicht schmaler. Durch das Wasser? Der Schuh versinkt im Schlamm. Auf dem Damm entlang? Zu puckelig, umgeknickt. Es bleibt nur der Umweg über die Straße, keine Experimente mehr. Das bedeutet noch mehr Asphalt nach 58 km. Die Fersen schmerzen von der immer gleichen Belastung auf der ebenen Strecke.

 Thorsten Hoyer auf der Straße und auf den letzten Kilometern einer harten Etappe © Philippe Opigez

Thorsten will nur noch ankommen, duschen, sich hinlegen. Nach diesen Strapazen kommt beim Anblick des wiedergefundenen und vertrauten Kolonnenweges regelrecht Freude auf. Nach 60 km erscheint unser Filmemacher Philippe am Horizont und 60 km reichen für heute.

Tag 16, 22. September 2020

Start: Hötensleben
Ziel: Oebisfelde
45,5 km

Heute morgen ist Thorsten Hoyer zusammen mit Martin Fricke, Tourismusmanagar für Sachsen-Anhalt, aufgebrochen. Erstes Etappenziel nach rund 17 km war die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn. Die Gedenkstätte befindet sich seit 1996 auf dem Gelände des ehemals größten Grenzübergangs der innerdeutschen Grenze, Helmstedt in Niedersachsen und Marienborn in Sachsen-Anhalt. Aufgrund seiner Nähe zu Berlin und der Lage an der A2 wurde hier der Großteil des Transitverkehrs zwischen Westdeutschland und Berlin abgewickelt. 

Martin Fricke und Thorsten Hoyer an der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn © Philippe Hoyer

Ab hier geht es für Thorsten Hoyer wieder alleine weiter Richtung Norden. Ziel ist nach wie vor Travemünde an der Ostsee am 30. September, nur noch rund 410 km! Am Mittag macht Thorsten Hoyer Pause im Lappwald auf einem abgebauten ehemaligen Grenzturm.

Pause in der Region Elm-Lappwald auf einem abgebauten Grenzturm © Philippe Opigez

Währenddessen erreicht uns die freudige Nachricht des Bundesumweltministeriums, dass das Grüne Band nun in seiner gesamten Länge, 1.400 km, unter Schutz gestellt und zum Nationalen Naturmonument erklärt wird. Nach 31 Jahren engagierter Naturschutzarbeit ist das eine Anerkennung und Aufforderung zugleich: Natur kennt keine Grenzen und Naturschutz auch nicht. Was die Deutsche Einheit genau mit Naturschutz zu tun hat, erfahrt Ihr hier.

Tag 17, 23. September 2020

Start: Oebisfelde
Ziel: Waddekath/Wittingen
48 km

Unser Chefredakteur Thorsten Hoyer ist heute mal wieder allein unterwegs, entwickelt aber eine durchaus emotionale Beziehung zum Kolonnenweg. Waren es am Anfang vor allem unliebsame und erbarmungslose Betonplatten, so entdeckte Thorsten Hoyer später liebliche kleine Pflanzenwelten in den Öffnungen. Inzwischen vermittlet der Anblick von Lochplatten fast ein Gefühl von Sicherheit, da sie einen sicheren Weg bedeuten – meistens. Am Vormittag sucht Thorsten Hoyer nämlich seinen Weg durch ein System aus kleinen und großen Kanälen, wie auf der Karte zu sehen ist. Das Wasser spielt hier im Naturpark Drömling eine begleitende Rolle.

Der Naturpark Drömling ist ein Vogelparadies. © Thorsten Hoyer


Am Abend schläft Thorsten Hoyer vor dem aufgeklappten Laptop ein. 900 km in 17 Tagen stecken ihm in den Knochen.

Tag 18, 24. September 2020

Start: Waddekath/Wittingen
Ziel: Lübbow
59 km

10:30 Uhr: Vom Grünen Band und vom Kolonnenweg ist seit heute morgen, vier bis fünf Kilometer nördlich von Waddekath, nicht mehr viel zu sehen. Während wir telefonieren, kämpft sich Thorsten Hoyer durch Schilf und Gräser höher als er selbst. "Ich sehe, dass hier mal jemand lang gegangen ist, das gibt mir Hoffnung. Aber ohne GPS wäre das Grüne Band hier nicht begehbar", stellt er fest und läuft gleich im nächsten Moment durch ein Geflecht aus Spinnennetzen, dick wie Nylonfäden, die ihm nun am ganzen Körper und in den Haaren kleben. Auch das Mobilfunknetz reißt ab, zu hören ist nur noch ein langgezogenes "Iiieeh" und "Aah".

Während der langen Tagesmärsche hat Thorsten Hoyer viel Zeit zum Nachdenken und um die vielen gewonnen Eindrücke zu sortieren: "Das Grüne Band zu erwandern ist schon ungemütlich, die meiste Zeit auf Betonplatten oder auf nicht vorhandenen Wegen. Aber vielleicht muss diese Wanderung ein bisschen ungemütlich sein, schließlich hat die Grenze Tausenden von Menschen wehgetan. Der Weg sollte durchgängig begehbar sein, ja, aber ein Sonntagsspaziergang, das würde nicht zum Charakter des Grünen Bandes passen, finde ich." Der Weg sei eine Herausforderung, sagt Thorsten Hoyer, er fordere von uns, dass wir uns auf ihn einlassen.

12:30 Uhr: Ein wunderschöner Kiefernwald bei Darendorf in der Altmark, sandiger Boden, dazwischen Birken und Heideflächen und plötzlich tauchen zum ersten Mal am Grünen Band Wegmarkierungen auf. Ein Schild weist an einem Abzweig sogar darauf hin, dem Kolonnnenweg hier nicht zu folgen, da er in einer Sackgasse endet, und empfiehlt, ihn stattdessen östlich zu umgehen. Das erste Mal auf seiner Wanderung folgt Thorsten Hoyer einer Wegmarkierung statt seiner vorgezeichneten Route.

17:00 Uhr: Thorsten Hoyer hat es zum vereinbarten Treffpunkt geschafft. Hier an der Jeetze wartet nämlich Dieter Leupold mit einem Kanu auf ihn. Dieter Leupold ist beim BUND Sachsen-Anhalt e.V. für das Grüne Band zuständig und hat angeboten, Thorsten mit dem Boot überzusetzen, denn die nächste Brücke über den Fluss befindet sich mehrere Kilometer weiter südlich in Salzwedel. Thorsten liebt es zu paddeln und weil es so schön ist, überqueren die beiden nicht nur die Jeetze, sondern paddeln noch 1,5 km weiter direkt im Grünen Band auf dem ehemaligen KfZ-Sperrgraben. Thorsten würde wohl gerne noch bis zur Elbe weiter paddeln. Doch an den großen Strom geht es morgen wieder zu Fuß.

Dieter Leupold und Thorsten Hoyer brechen auf zu neuen Ufern. © O.Olejnik/BUND
Thorsten Hoyer und Dieter Leupold auf dem ehemaligen KfZ-Sperrgraben © O.Olejnik/BUND

Tag 19, 25. September 2020

Start: Lübbow
Ziel: Schnackenburg
50,5 km

9:00 Uhr: Ein neuer Wandertag am Grünen Band Deutschland! Die zusätzlichen vier Kilometer zur gestrigen Unterkunft kann Thorsten Hoyer heute morgen mit einer kurzen Autofahrt wieder einsparen. Dann empfängt ihn der Kolonnenweg. Für das Wochenende ist viel Regen angekündigt, noch ist es trocken. Weiter geht's zwischen Altmark und Wendland.

In der Altmark ist das Grüne Band streckenweise gut markiert. © Thorsten Hoyer

17:30 Uhr: Thorsten Hoyer ist in Schnackenburg an der Elbe angekommen. Ab hier verläuft die ehemalige innerdeutsche Grenze durch den Fluss. Der Ausblick auf die Elbe kurz vor Sonnenuntergang ist herrlich. Gänse fliegen zu ihren Schlafplätzen auf die angrenzenden Wiesen. Ob sie auch zur Zeit der deutschen Teilung hier nächtigten?

Ein erster Blick auf die Elbe © Svenja Walter
In Schnackenburg © Svenja Walter

Heute Abend bin auch ich, Svenja, Redakteurin beim Wandermagazin, nach Schnackenburg gereist, um unseren Chefredakteur ein bisschen zu begleiten. Als ich ihn in der Unterkunft treffe, wackelt er gerade die Treppenstufen zum Zimmer hinauf, das erste alkoholfreie Weizenbier (von fünf!) unter dem Arm und die Hände voll Süßigkeiten. Seit dem Frühstück hat er nichts mehr gegessen, aber die 1000 Kilometer-Marke nach 19 Tagen geknackt. 

Tag 20, 26. September 2020

Start: Schnackenburg
Ziel: Wehning (Übernachtung in Dömitz)
43,5 km

Heute ist ein Deich- und Regenwandertag. Nach 19 Etappen durch Wälder und Wiesen bei bestem Spätsommerwetter, sind die Elbauen bei herbstlichem Regenwetter für Thorsten Hoyer ein Kontrastprogramm. Die Regenschirme halten uns zunächst trocken. Als es am Mittag aufhört zu regnen, erfreuen wir uns an der einfachen Wegführung auf dem Deich. Kilometer um Kilometer ziehen wir zwischen grünen Auwiesen am sogenannten blauen Band vorbei.

Mit Regenschirm auf dem Elbdeich in Brandenburg © Svenja Walter
Ein Haus mit Reetdach hinter dem Deich. © Svenja Walter 
Die Versuchung ist groß, aber es liegen noch gut 20 Kilometer vor uns. © Svenja Walter 

Heute begleiten uns Dr. Heike Ellner und Bettina Kühnast vom Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Brandenburg für 10 km. Das Biosphärenreservat Elbe schützt eine der wenigen naturnahen Stromlandschaften Europas. Auch wenn es heute regnet, die extreme Trockenheit der letzten Jahre lässt die Auen und kleinen Gewässer austrocknen und gefährdet das Überleben vieler Amphibienarten in den Elbauen.

Das Biosphärenreservat Elbe erstreckt sich über einen 400 km langen Stromabschnitt der Mittelelbe. © Philippe Opigez
Thorsten begegnet dem zehnten Grüne-Band-Wanderer in 20 Tagen. Falk wandert von Nord nach Süd. © Svenja Walter

Am Nachmittag verlassen wir Brandenburg nach gut 20 km wieder und sind nun in Mecklenburg-Vorpommern. Der Regen wird stärker, es pladdert nur so vom Himmel, aber wir haben noch ein weiteres Etappenziel. Mit nassen Füßen und inzwischen tropfenden Jacken trotz Schirm, laufen wir zwischen Auwiesen und kleinen Wäldchen in die abgelegene "Dorfrepublik" Rüterberg. Eingerahmt von einer Flussbiegung der Elbe und dem zweiten Zaun des Grenzstreifens waren die Rüterberger Gefangene in ihrem eigenen Dorf. Aus Protest riefen sie am 8. November 1989 die eigenständige "Dorfrepublik Rüterberg" aus. Die Dorfrepublik gab es jedoch nur für einen Tag, denn am 9. November 1989 kam die Wende.

Seit Kilometer 30 tun mir die Füße weh und es zieht in den Kniekehlen. Aber Thorstens Schritte sind so gleichmäßig und unaufhörlich, dass bei mir keine Gedanken ans Aufhören aufkommen. "So langsam wird es aber auch Zeit, dass ich ankomme. Ich spüre wir sind jetzt im Norden, noch vier Tage bis nach Travemünde, dann habe ich's geschafft", sagt Thorsten, strahlt und fängt an zwei Zeilen zu singen.

Gute Laune trotz Regen © Philippe Opigez

Tag 21, 27. September 2020

Start: Wehningen
Ziel: Boizenburg
47,5 km 

Moin, moin von der Elbe! Bei 9° C und Nieselregen bricht Thorsten Hoyer wieder auf, unermüdlich. Und er erwischt einen tierisch guten Start: Hunderte Wildgänse, Kormorane und Silberreiher suchen in den Elbauen nach einem Frühstück. Filmemacher Philippe und ich versuchen derweil die Vögel mit der Kamera festzuhalten.

Thorsten Hoyer auf einem weiteren Deichwandertag in Niedersachsen © Svenja Walter
Philippe filmt Kraniche hinter dem Deich. © Svenja Walter

Thorsten Hoyer macht Strecke. Wir haben ihn auf dem Deich bei Darchau in der Niedersächsischen Elbtalaue eingefangen und lassen ihn mal erzählen. 

Tag 22, 28. September 2020

Start: Boizenburg
Ziel: Valluhn
42,5 km

Die gestrige Etappe ging wie erwartet zu Ende, nur zählte das GPS-Gerät schon wieder 50 km anstelle der geplanten 47 km, 48 km davon Deichwandern pur. "Das ziiieht sich!", stöhnt Thorsten Hoyer als wir ihn 10 km vor dem Etappenziel auf dem Deich wieder treffen. Ich habe meinen Rucksack schon umgeschnallt und wandere nochmal mit. Tatsächlich sieht man Thorsten die aufgrund der monotonen Belastung schmerzenden Füße etwas an, seine Schritte sind nicht mehr ganz so geschmeidig wie zuvor.

Wir vertiefen uns in Gespräche und lassen den Blick über die unendlich weiten Wiesen schweifen. Die Abenddämmerung zieht herein und mit ihr ein sanftes Licht am Horizont. Die Landschaft beeindruckt Thorsten: "Die Elbauen sind fantastisch, eine tolle Atmosphäre, auch das Wetter passt dazu. Die Elbe als Fluss hat irgendwie einen besonderen Charakter."

Heute verlässt Thorsten Hoyer die Elbe und wandert am Grünen Band zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Im Gegensatz zu den vergangenen zwei Tagen am und auf dem Deich bzw. Elbe-Radweg, läuft Thorsten wieder auf dem Kolonnenweg. Nur wenn dieser überwuchert ist oder ein Wassergraben den Weg versperrt, sucht er sich einen anderen Weg und versucht dort, wo er den alten Kolonnenweg vermutet, die geplante Route wieder aufzunehmen. Und tatsächlich, da sind die Betonplatten wieder. "Ich glaube, ich kann das Grüne Band inzwischen riechen", scherzt Thorsten.

Thorsten Hoyer orientiert sich mithilfe des GPS-Geräts. © Philippe Opigez

Am Nachmittag trifft Thorsten Hoyer Claudia Rösen vom Naturpark Lauenburgische Seen und Natascha Pätzold vom Herzogtum Lauenburg. Sie beide erzählen die Geschichte von Michael Gartenschläger, einem politischen Häftling in der DDR und Fluchthelfer. Nach 10 Jahren Haft wurde Gartenschläger von der BRD freigekauft und half danach über 30 Menschen, aus der DDR zu flüchten. Um aufzuzeigen, wie das DDR-Regime gegen das eigene Volk vorgeht, versucht er am 30. April 1976 zum dritten Mal eine Selbstschussanlage am Grenzstreifen abzumontieren. Er wird dabei von einem Spezialkommando des Staatssicherheitsdienstes erschossen. An dieser Stelle befindet sich eine Mahn- und Gedenkstätte gegen das Vergessen und für Demokratie und Toleranz.

Natascha Pätzold, Claudia Rösen und Thorsten Hoyer an der Mahn-und Gedenkstätte © Philippe Opigez
Heidelandschaft am ehemaligen Grenzstreifen © Philippe Opigez

Tag 23, 29. September 2020

Start: Valluhn
Ziel: Schlagsdorf (Übernachtung in Mölln)
50 km

07:00 Uhr: Moin, moin! Hat Thorsten Hoyer sich etwa verlaufen? Am vorletzten Tag auf dem Grünen Band Deutschland findet sich unser Chefredakteur und Extremwanderer heute morgen auf einer Autobahnraststätte wieder, ohne Frühstück. Hoffentlich wird er nicht zum Geisterwanderer auf der Autobahn. Ein wunderschöner Sonnenaufgang macht den frühen und ungemütlichen Start jedoch wieder gut.

Sonnenaufgang © Thorsten Hoyer

10:00 Uhr: Drei Stunden und 18 km nach dem Aufbruch gönnt sich Thorsten ein Frühstück in Zarrentin. Dann geht es am Ufer des Schaalsees entlang.

Mmh... © Philippe Opigez

13:00 Uhr: Am Schaalsee wird Thorsten Hoyer ein Stück von Sven Schmidt, Ranger im UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee, begleitet. Eigentlich besteht der Schaalsee aus mehreren zusammenhängenden Seen mit Inseln und Halbinseln. Er liegt auf der Grenze von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern und gehört mit 72 m Wassertiefe zu den tiefsten deutschen Seen. Sein Ostufer befand sich während der Zeit der deutschen Teilung im Grenzsperrgebiet der DDR. Von dieser Abgeschiedenheit profitierte die Natur. Bis heute ist hier eine hohe Dichte unterschiedlicher Biotope zu finden. Sowohl im Wasser als auch rund um die Seen, in den Feuchtwiesen, Mooren und Wäldern, leben seltene Nachtfalter, Fledermäuse, Amphibien oder Fischotter. Für Zugvögel und Wasservögel sind die Seen ein wichtiger Rast- bzw. Überwinterungsort.

Ranger Sven Schmidt, seine Hündin und Thorsten Hoyer © Philippe Opigez

Nördlich des Schaalsees versucht Thorsten Hoyer einen Weg durch mannshohe Schilfgürtel zu finden, der ehemalige Kolonnenweg ist unauffindbar. Für kurze Abschnitte findet er einen alternativen Weg. Dann aber wird der Boden immer sumpfiger und wenige Meter entfernt im Schilf sind Wildschweine zu hören und zu riechen. Zeit für einen geordneten Rückzug, entscheidet Thorsten, zurück auf sicheren Boden und zur Unterkunft. Aufgrund der Umwege sind es schon zu diesem Zeitpunkt wieder 50 km.

Ist da ein Weg? © Christiane Thies

Tag 24, 30. September 2020

Start: Schlagsdorf
Ziel: Travemünde/Priwall
50 km

9:45 Uhr: Guten Morgen auf der letzten Etappe am Grünen Band Deutschland! Heute geht's an die Ostsee! Thorsten Hoyer nähert sich unaufhaltsam seinem Ziel. Die Natur hat hier am Ufer des Ratzeburger Sees die Oberhand und hat sich das ehemalige Grenzsperrgebiet zurück erobert – bedeutet für Thorsten einen erneuten Umweg. Aber er ist zuversichtlich, dass es im Verlauf der Etappe besser wird. Noch einmal spürt Thorsten Hoyer auf seiner heutige Wanderung dem Vermächtnis der ehemaligen innerdeutschen Grenze nach.

Das GRENZHUS in Schlagsdorf zeigt, wie die innerdeutsche Grenze das Leben der Menschen hier beeinflusst hat. © Philippe Opigez

10:30 Uhr: Eine etwas skurrile Begegnung: In Mecklenburg-Vorpommern sind vor 20 Jahren Nandus, die eigentlich in Südamerika heimisch sind, aus einem Gehege entkommen. Die flüchtigen Laufvögel fühlen sich auf den Wiesen und Feldern sichtlich wohl. Sie haben keine natürlichen Feinde und vermehren sich rasch, sodass sie inzwischen die heimischen Vögel verdrängen. Seit einiger Zeit bereits wird die Anzahl der Nandus genau beobachtet und diskutiert, wie am besten mit dieser Situation umzugehen ist.

Die Nandus haben sich in Mecklenburg-Vorpommern ausgebreitet. © Philippe Opigez

15:15 Uhr: 17 km vor dem Ziel. Priwall ist bereits in Sicht. 

Das Ziel am Horizont © Dan Mausolf
Thorsten Hoyer in der Nähe von Teschow © Dan Mausolf
Der vielleicht letzte Grenzwachturm am Grünen Band bei Dassow? © Dan Mausolf

17:15 Uhr: nur noch 6,5 km. Thorsten Hoyer ist auf der Zielgerade. Einfach nur noch einen Schritt vor den anderen setzen. Mit einer Mischung aus Glück und Dankbarkeit darüber, dass alles gut gelaufen ist, strebt Thorsten seinem Ziel entgegen. 

18:30 Uhr: Thorsten Hoyer geht in Wanderstiefeln über den Strand, er ist angekommen! Auf der Halbinsel Priwall verliert sich die ehemalige deutsch-deutsche Grenze in der Ostsee. Heute fährt die Küstenwache auf und ab, Fähren aus Skandinavien erreichen den Hafen. Das Grüne Band Deutschland geht in das Europäische Grüne Band über.

Ankunft am Strand von Priwall © Dan Mausolf
Der Sonnenuntergang ist fast zu kitschig. © Dan Mausolf

Jetzt heißt es, den Moment des Ankommens genießen nach 24 Tagen und fast 1300 km. Aber es gibt ja noch einen weiteren ehemaligen Grenzverlauf in Berlin, der Enklave des Grünen Bandes. Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, werden wir Thorsten Hoyer auf dem 160 km langen Mauerweg in Berlin wiedersehen. 

Thorsten Hoyer genießt einen Moment für sich allein. © Dan Mausolf

Der Tag danach, 1. Oktober 2020

Hier geht's zum Thorsten Hoyers schlafloser Wanderung auf dem Berliner Mauerweg am 3. Oktober 2020.

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