In Ilmenau im Thüringer Wald wird es historisch. Als einst wichtige Station im Leben von Johann Wolfgang von Goethe, finden Besucher hier viele Spuren des Dichters. Der Universalgelehrte, der ursprünglich als Bergwerkminister nach Ilmenau berufen wurde, hatte viele Interessen und Vorlieben: Geologie, Natur und natürlich die Literatur. Eine weitere war das Wandern.

So wie einst Goethe durch den Thüringer Wald streifte, können es heute auch Wandernde tun. Folgen sie dabei dem Goethewanderweg zwischen Ilmenau und Stützerbach, stoßen sie zugleich auf einige seiner Lieblingsplätze. Getreu dem Motto Goethes „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“, lädt der 20 km lange Wanderweg dazu ein, Kultur und Natur der Region zu erleben.

Von Ilmenau inspiriert

Am Emmastein

Der mit einem „G“ gekennzeichnete Weg beginnt am Amtshaus am Markt in Ilmenau, wo sich heute das GoetheStadtMuseum befindet. Hier können sich Interessierte über Leben und Werk des deutschen Dichters informieren und dabei über die gleichen knarzenden Bodendielen wandeln, wie es Goethe damals tat. Wandernde flanieren durch die Altstadt Ilmenaus, treffen auf die Grabstätte Corona Schröters – einer einst gefeierten Sängerin und ersten Darstellerin der „Iphigenie“ – und passieren das Alte Zechenhaus. Als Bergwerkminister verbrachte Goethe hier vermutlich so manche Stunde. Weiter geht es über die Berggrabenwege, von denen man einen schönen Blick auf das Manebacher Tal genießt, zu einer Station, die das literarische Leben Goethes prägte: dem Schwalbenstein. Hier, auf diesem Felsen, schrieb Goethe an bloß einem Tag den vierten Akt seines Dramas „Iphigenie auf Tauris“. Der Anfang des Bühnenstücks ist noch heute auf einer Schautafel zu lesen.

Mit den Augen eines Dichters

Sich Goethe ganz nahe fühlen, das geht an einer weiteren Station, die auch gleichzeitig der Höhepunkt des Goethewanderwegs ist. Auf dem Kickelhahn auf 861 m Höhe befindet sich das Goethehäuschen, eine ehemalige Schutzhütte. Am 6. September 1780 schrieb Goethe an die Innenwände eben jener Hütte sein berühmtes Gedicht „Wandrers Nachtlied“. Erst 35 Jahre später veröffentlichte er die Verse. Heute kann „Wandrers Nachtlied“ in 16 Sprachen im Goethehäuschen nachgelesen werden, das Original befindet sich als Faksimile im GoetheStadtMuseum in Ilmenau.

Wer sich sowieso schon auf eine Reise in die Vergangenheit begibt, indem er Goethes Spuren folgt, sollte auch vor Frauenwald nicht Halt machen. Der Ortsteil von Ilmenau liegt direkt am Rennsteig und ist der älteste Ort im Thüringer Wald – erstmals urkundlich erwähnt wurde er im Jahr 1218.

Außerhalb der Hütte genießen Wandernde einen wunderbaren Ausblick vom Kickelhahn, der höchsten Erhebung im Ilm-Kreis. Steigt man die 107 Stufen des rund 24 m hohen Kickelhahnturms hinauf, reicht der Blick sogar noch weiter über das nördliche Vorland des Thüringer Waldes – bei guter Sicht bis hin zum Brocken. Auch Goethe hielt sich gerne auf dem Kickelhahn auf, um die weite Aussicht zu genießen. In Stützerbach am Ende des Goethewanderwegs wartet ein weiterer Höhepunkt, der Einblicke in das Leben des Dichters schenkt: das originale Wohn- und Arbeitszimmer Goethes im dortigen Museum. Auch können Besucher hier zahlreiche Schriften zu seinen geologischen Studien, Briefe und Zeichnungen betrachten, die Goethe zwischen 1776 und 1777 im Thüringer Wald verfasste.

Info: www.ilmenau.de