Der Körper hat eine eigene Klimaanlage: Schweiß. So unangenehm wir die Nässe auf der Haut empfinden, ohne Schweiß würde unser Körperklima nicht funktionieren, er regelt das Feuchtigkeitsmanagement. Das Problem: Bleibt Schweiß in der Kleidung, kühlen wir schnell aus. Funktionskleidung muss also zwei Dinge leisten:

  • den Schweiß halten und nützlich einsetzen
  • den Schweiß abführen, damit er nicht schadet

Begrifflichkeiten:

Atmungsaktivität hat etwas mit der Durchlässigkeit von Wasserdampf zu tun.
Feuchtigkeitsmanagement indes hat mit der reellen Nässe des Körpers zu tun, dem Schweiß.
→ Atmungsaktives Material hat daher nicht gleichzeitig einen guten Feuchtigkeitstransfer.


Mehr zu wasserdichten und atmungsaktiven Membranen findet Ihr HIER.


Schon gewusst?

'Wicking' bezeichnet die eigentliche Funktion des Feuchtigkeitstransfers. 'Wick' ist der englische Begriff für den Docht und bezieht sich auf den entstehenden Unterdruck der Hitze von der Flamme, wodurch Wachs zum Docht hingezogen wird. Ähnliches sollen die Fasern in der Funktionskleidung schaffen: die Feuchtigkeit vom Körper wegziehen.

Was muss ein Material leisten für ein ideales Feutigkeitsmanagement?

Grundsätzlich gilt: Je schneller sich die Nässe auf einem Obermaterial ausbreitet, desto schneller kann sie verdunsten. Funktionswäsche soll also dazu dienen, die Nässe schnellstmöglich und weitflächig auszubreiten. Dabei soll aber gleichzeitig nur eine geringe Feuchtigkeitsspeicherung stattfinden.

→ Logische Schlussfolgerung: Je weniger Nässe ein Material aufnimmt, desto schneller ist es wieder trocken.

Baumwolle speichert, z. B. bis zu 70% des Eigengewichts an Nässe
Polyamid etwa 6% 
Polyester zwischen 2% und 5%

Ausnahmetalent Wolle

Wolle kann relativ viel Nässe speichern, ohne sich nass anzufühlen – ein hoher Komfortfaktor also. Allerdings nur für gemäßigte Aktivitäten, bei denen nicht zu viel Schweiß produziert wird, wie beim Wandern.


Mehr zum Thema Wolle erfahrt Ihr HIER.


Push-Pull-Effekt

Um das Feuchtigkeitsmanagement von Funktionskleidung zu optimieren, macen sich Hersteller den physikalischen Push-Pull-Effekt zu Nutze. Es handelt sich um ein Partialdruckgefälle von innen nach außen, welches den Schweißabtransport, also weg vom Körper, über die Fasern der Kleidung nach außen unterstützt.

Dies gelingt z. B. mit einer Kombination aus unterschiedlichen Materialien oder durch das sogenannte Ausrüsten (Manipulieren) von Fasern, indem dem Polymer weitere Zusätze beigemischt werden, z.B.

  • Aktivkohle aus Kokusnussschalen (Hersteller Cocona)
  • Kaffeepulver (Faser S. Café z. B. in Schöffelprodukten)
  • Cellulose aus Eukalyptusholz (Faser Tencel) oder
  • Mais (Ingeo)

Fasermanupaltion kann auch chemisch geschehen, ist dann aber mit der Zeit auswaschbar und wird häufig kritisch betrachtet aufgrund der Umweltbelastung.