Schön, dass ihr das Wandertagebuch gefunden habt! Hier berichten unsere sechs Läuferinnen und Läufer von ihren Erlebnissen, Entdeckungen und Gedanken auf dem E1. Verfolgt ihren Weg von der dänischen Grenze bis nach Konstanz am Bodensee hier oder auch live in den Storys auf dem Wandermagazin-Instagram-Kanal!


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Wandertagebuch

Abschnitt 2 – Etappen 20-32

Etappe 20: Hamburg-Altona - Neugraben-Fischbek mit Thorsten Hoyer

„Ich komme wieder, kein Frage…!“, damit endete mein Wandertagebucheintrag am 28. Mai. Natürlich habe ich mein Versprechen gehalten: gestern durfte ich in Hamburg-Altona wieder loswandern und damit den zweiten Abschnitt auf dem E1 beginnen. Vom Hotel waren es nur ein paar Minuten Fußweg, dann blickte ich auf einen Teil des Hamburger Containerhafens. Wie bestellt, schob sich sogleich ein riesiger Frachter ins Bild, von dessen schwarzem Bug sich „Panama“ in frischem Weiß abhob. Hamburg, das Tor zur Welt, wo Hans Albers melancholisch „La Paloma“ in verräucherten Hafenkneipen sang, während draußen die Möwen in frischer Luft schrien. Häfen und große „Pötte“ aus aller Herrenländer, wem überkommt da nicht die Sehnsucht in die Ferne? Teil des Hamburger Charmes ist sicher auch eine gute Portion Nostalgie – die ich auch in meinem Hotel fand. Das aber sehr stimmig! Und obwohl ich Großstädten nicht viel abgewinnen kann: Hamburg mag ich. So genoss ich die sonnige Wanderung entlang der Elbe mit den vorbeifahrenden Schiffen aller Größen und Kategorien und bestaunte die wunderschönen alten Häuser, die ich in Richtung Blankenese passierte.

Von Blankenese musste ich die Fähre zum gegenüberliegenden Elbufer nehmen, um ab Cranz weiter dem E1 folgen zu können. Dass ich die stündlich ablegende Fähre um fünf Minuten verpasste, machte nichts, die Einkehrmöglichkeiten direkt am Wasser waren sehr einladend. Als die Fähre dann mit mir ablegte, wunderte ich mich allerdings bald, dass sie zurück in die Richtung fuhr, aus der ich gekommen war. Aha, Cranz konnte wegen Niedrigwasser nicht angefahren werden, also war Finkenwerder das neue Ziel. Der Bus, der mich nun auf der anderen Seite der Elbe nach Cranz brachte, benötigte seine Zeit – ich hatte wohl den Schichtwechsel im angrenzenden Airbuswerk erwischt. Aber was soll’s, Wandern entspannt und bald sollte es ja auch schon weiter gehen.

Mhh… dass mit dem „weiter gehen“ bekam dann aber eine ganz andere Bedeutung, denn unvermittelt stand ich vor dem Neubau der A26, womit der E1 nicht mehr existierte. Eigentlich nach links, musste ich gezwungenermaßen in entgegengesetzte Richtung abbiegen, womit ich mich immer weiter von meinem Ziel entfernte. Irgendwann witterte ich meine Chance die andere Seite zu erreichen und dann flitzte ein blaues Wandermagazin-T-Shirt mit gelbem Rucksack irrend durch die Großbaustelle, um anschließend in Ermangelung eines wie auch immer gearteten Fußweges auf und über einigermaßen frequentierten Straßen (s)einen Ausweg zu finden. Dass einige Kilometer obendrauf kamen, soll jetzt nicht weiter wichtig sein. Gefrustet erreichte ich endlich meine Schlafstätte. Den Spruch „Umwege erweitern die Ortskenntnisse“ mag ich erst mal nicht mehr.

Thorsten Hoyer

⇒ Unsere alternative Wegführung für Etappe 20 findet ihr in der interaktiven Karte des E1-Tourguides.

An der Elbe in Hamburg
Äpfel – typisch für das Alte Land
Wandersackgasse – hier wird die A26 gebaut

Etappe 21: Neugraben-Fischbek – Buchholz/Nordheide

Das Hotel, in dem ich vergangene Nacht verbrachte, liegt rund zwei Kilometer vom E1 entfernt. Also ging ich entlang der Durchgangsstraße in Fischbek erst mal wieder zurück. Auf der Straße folgte ein Auto dem anderen, dazwischen gesellten sich zahlreiche Lastwagen. Ist halt Montagmorgen, von daher nichts anderes als normal. Aber der Lärm störte mich, vielleicht auch weil ich wusste, was auf mich wartete: der Heidschnuckenweg. Am Ortsrand von Fischbek steht ein Portal, das den offiziellen Startpunkt des beliebten Fernwanderweges durch die Lüneburger Heide markiert. Oder den Endpunkt, der Heidschnuckenweg lässt sich natürlich auch in umgekehrte Richtung wandern.

Der Heidschnuckenweg hat für mich eine besondere Bedeutung, denn hier stand ich im im Mai 2018 schon mal, um dem Weg ins über 200 km entfernte Celle zu folgen. Seinerzeit war der Heidschnuckenweg Teil meines Versuchs, 300 km ohne Schlafpause zu wandern. Es klappte und das verbindet. Der Heidschnuckenweg und der E1 verlaufen über längere Strecken parallel, sodass sich zur gewohnten X-Markierung ein H gesellt. Kaum, dass ich ein paar Schritte ging, fand ich mich inmitten der typischen Heidelandschaft wieder. Die Sonne strahlte auf die Heideflächen, die im August blüht und damit tausende Besucher anzieht. Jetzt herrschte Ruhe, eine ganz wunderbare Stimmung, die sich sofort auf mich übertrug. Ein sanft wehender Wind brachte den Duft von Kiefern und frischem Heu zu mir und die Sitzbank am Ende eines ungewohnt kräftigen Anstieges kam mir gerade recht. Kiefern, Birken und weite Sichten ließen aus einem Viertelstündchen die dreifache Zeit werden. Völlig egal, es tat einfach nur gut, so entscheiden zu können und ist Teil dieser Freiheit, die mir so unendlich viel bedeutet.

Der E1 führte mich durch sehr viel Wald, bei den sommerlichen Temperaturen eine wohltuend schattige Wanderung. Durch das Blätterdach fielen Sonnenstrahlen auf beeindruckend großen Adlerfarn und sorgten für ein schönes Lichtspiel. Am Karlstein machte ich nochmal eine ausgedehnte Pause. Der Sage nach soll das hier auch schon Karl der Große getan haben, daher der Name des einsamen Granitfelsens. Als ich aus dem Wald hinaustrat und sich vor mir weite Getreidefelder ausbreiteten, befand sich mein Ziel Buchholz in nicht mehr weiter Ferne. Jetzt konnten meine Blicke über die Felder schweifen und machten bald die ersten Häuser von Buchholz in der Nordheide aus. Ein wirklich wunderbarer Wandertag! 

Thorsten Hoyer

Am Start-/Endpunkt des Heidschnuckenwegs
Anstieg zum Karlstein
Unverlaufbar: der E1 und Heidschnuckenweg

Etappe 22: Buchholz/Nordheide - Undeloh

Die heutige Etappe brachte mich von Bucholz nach Undeloh und damit ins Zentrum der Lüneburger Heide – einem der touristischen "Hotspots" Niedersachsens. Es war eine rund 25 km lange Strecke, die mit einigen Windungen durch Buchholz begann. Hier auf ich schon mal gewandert, auch wenn das seinerzeit zu nächtlichen Stunde gewesen ist, kann ich mich gut daran erinnern, dass der Weg durch die Stadt gefühlt kein Ende nehmen wollte. Dabei ist Buchholz gar nicht so groß, ein Mysterium. »Zum Film: "Der Hoyer wandert" 300 km Nonstop

Kaum hatte ich die Stadt hinter mir gelassen und den Wald erreicht, entdeckte ich eines der Markierungszeichen am Boden und vor mir ein Durcheinander von kreuz und quer liegenden Bäumen. Okay, Forstarbeiten sind wichtig und müssen sein. Aber dass das so unvermutet kam, noch dazu in der Wandersaison – Augen auf und durch (nicht zur Nachahmung empfohlen). 

Wald war auf der ersten Hälfte der Etappe vorherrschend. Mal wanderte ich auf nicht mehr als Trampelpfaden durch dichtes Grün, mal auf "normalen" Waldwegen, aber auch auf breiten Forstwegen, die sich mitunter kilometerlang ohne Knick und Kurve durch den Wald zogen. 

Von Buchholz bis Undeloh verlaufen der E1 und der Heidschnuckenweg immer wieder parallel. Auf diesen Abschnitten konnte man sich darauf verlassen, auf attraktiven Pfaden und Wegen unterwegs zu sein – zumindest aus Sicht der Wandernden. Aber der Heidschnuckenweg hat die Angewohnheit, sich immer wieder vom E1 zu entfernen. Aufgrund seines attraktiveren Verlaufs war es dann eine Herausforderung, nicht dem Heidschnuckenweg zu folgen, sondern dem E1. Entschuldige bitte, lieber E1. Manchmal mutete es sogar schon skurril an, wenn beide Wege direkt nebeneinander verliefen: das "H" des Heidschnuckenwegs leitete über einen schönen Pfad, das "X" des E1 über eine Schotterstrecke. 

Irgendwann befand ich mich an einem verhältnismäßig langen Anstieg: Der Brunsberg löste ein Gipfelfieber aus. Fast 130 Meter stand ich über dem Meeresspiegel, als ich von dort oben die Aussichten über Heideflächen und die weiten Wälder genoss. Und auf die zunehmend größer und grauer werdenden Wolkenberge blickte. Ich rechnete mit Regen, was der Heide gut tun würde. Sie leidet sehr unter der Trockenheit der letzten Jahre. So sehr, dass sie stellenweise großflächig vertrocknete und nun mit erheblichem Aufwand wieder angepflanzt werden muss. Der Klimawandel wird überall spürbar. Es kam aber kein Regen, von vereinzelten Tropfen mal abgesehen. Dafür traf ich erneut auf lange Waldpassagen bis Handeloh. 

Auf meiner Wanderung nach Undeloh änderte sich der Charakter des Waldes: Er war nicht mehr so aufgeräumt, sondern wilder, fast schon ein bisschen urwaldartig. Dazu die schmalen Pfade – großartig! In Undeloh machte ich zum Abschluss des Tages noch ein Video für unsere Instagram-Story: Wir – das Wandermagazin – nehmen mit der E1-Wanderung an der WWF-Kampagne "Wandern für die Artenvielfalt" teil und haben dort eine Spendenaktion eingerichtet. Mit 950 Euro, 50 ct pro Kilometer auf dem E1 in Deutschland – haben wir den Anfang gemacht. Die Natur gibt uns so viel, geben wir der Natur etwas zurück! »Zur Spendenaktion

Thorsten Hoyer

Wandersnack – Heidelbeeren vor Undeloh
Gipfelerlebnis Brunsberg
Vertrocknete Heidefläche
Wanderbekanntschaft – hölzerne Heidschnucke

Wanderpause Undeloh/Wilsede: Geburtstagsfeier vom Heidschnuckenweg  

Heute war Geburtstag! Der Heidschnuckenweg, der zu großen Teilen auf dem E1 verläuft, ist heute 10 Jahre alt geworden. Die Feierlichkeiten dazu fanden im Heidedorf Wilsede mitten im Naturpark Lüneburger Heide statt. Wilsede liegt rund sechs Wanderkilometer von Undeloh entfernt, wo mich der E1 gestern hinführte. Heute habe ich eine E1-Wanderpause eingelegt, denn ich war zur Geburtstagsfeier eingeladen. 

Da das Dorf Wilsede nur zu Fuß und per Pferdekutsche (mit dem Fahrrad natürlich auch) zu erreichen ist, starteten die Feierlichkeiten mit einer geführten Wanderung über den 169,2 Meter hohen Wilseder Berg. Regnete es am frühen Vormittag noch, erreichte die trockene Heide während unseres Unterwegsseins bereits nur noch einzelne kurze Schauer. Sicherheitshalber fand die Jubiläumsfeier mit zahlreichen geladenen Gästen unter festem Dach in einem historischen Gebäude im pittoresken Heidedorf statt. 

Da ich den Heidschnuckenweg im Mai 2018 komplett erwandert hatte, war es mir eine Ehre, in diesem Rahmen darüber zu erzählen. Zu den kulinarischen Leckereien zählten auch Lammbratwürstchen, die auf große Begeisterung stießen. Toll zu hören war natürlich, dass der Gastgeber und Geschäftsführer der Lüneburger Heide GmbH, Ulrich von dem Bruch, von der Wahl zu "Deutschlands Schönstem Wanderweg" im Jahr 2012 berichtete, eine vom Wandermagazin jährlich veranstaltete Publikumswahl. Er betonte, wie wichtig die erfolgreiche Teilnahme für die Entwicklung des Weges war – und bis heute nachhallt.

Nach vielen schönen und freudigen Gesprächen ging es dann mit zwei Pferdestärken gemütlich zurück nach Undeloh.

Thorsten Hoyer

Lüneburger Heide bei Wilsede
Im Heidedorf Wilsede

Etappen 23 & 24: Undeloh – Wietzendorf

Und weil’s so schön war, machte ich mich an diesem Morgen in Undeloh erneut auf, den Wilseder Berg zu erklimmen. War es gestern dicht bewölkt und regnerisch, schien heute Morgen die Sonne. Es war spannend zu sehen und zu spüren, wie unterschiedlich sich ein und dieselbe Landschaft präsentiert. Wirkte sie gestern mystisch und etwas unwirklich, so strahlte sie heute Morgen in kräftigen Farben. Wenn doch jetzt schon die Heide blühen würde – es sähe wohl berauschend aus. Die Glockenheide blühte bereits und ich meinte erkennen zu können, dass in der „typischen“ Heide, also der Besenheide, schon ein ganz leichter lila Schimmer zu erkennen sei. Kein Wunder, dass die Heideblüte im August tausende von Gästen anzieht.

Die Aussicht vom 169,2 Meter hohen Wilseder Berg empfinde ich immer wieder aufs Neue sehr beeindruckend. Ich wanderte durch das einzigartige Heidedorf Wilsede mit seinen gepflegten, reetgedeckten Häusern, passierte einige Getreidefelder, um dann einen meiner Lieblingsplätze inmitten des Naturschutzgebietes Lüneburger Heide zu erreichen: den Totengrund. Ein Talkessel von solcher Schönheit und Faszination, dass es wie aus einer anderen Welt zu kommen scheint. Ein wunderbarer Ort, bei dessen Anblick sofort die Fantasie anfängt zu spielen. 

In Bispingen stattete ich der Tourist-Information des Städtchens einen Besuch ab. Zum Kaffee bekam ich – typisch Lüneburger Heide – Heidschnucke serviert. Nein, nicht als Bratwurst oder auf sonstige deftige Zubereitungsart. Kredenzt zwar am Spieß, aber als kunstvolle, handwerklich hergestellte kleine (aber gehaltvolle) Süßspeise. Ausgesprochen lecker!

Auf meiner weiteren Wanderung nach Soltau rückte die Heide in den Hintergrund und die Autobahn 7 näher. Und es wurde deutlich waldreicher, mit herrlichen Pfaden und schönen Wegen, die überwiegend recht geradlinig Richtung Süden führen. Die ersten Gebäude von Soltau im Blick, hielt ich neben Bahngleisen an einem Denkmal inne. Hier wird an den Tod von über 90 Menschen erinnert, die auf dem Weg ins KZ Bergen-Belsen flüchteten und, nachdem sie aufgestöbert wurden, ermordet wurden.

Mit dem E1 spazierte ich quer durch die gesamte Stadt bis zu meinem Quartier in der Siedlung Brock. Dass es weder in der Unterkunft noch in fußläufig näherer Umgebung ein Restaurant gibt, machte mir nichts aus. Freunde aus Hermannsburg wussten das, kamen vorbei und zusammen machten wir uns auf zu einem vorzüglichen Restaurant. Einmal werde ich noch wach … dann gehe ich auch schon wieder meinen letzten Tag des zweiten Abschnitts an, um den Staffelstab in Hermannsburg an Manuel Andrack zu übergeben. Aber bis dahin sind’s ja noch ein paar Kilometerchen …

Thorsten Hoyer

Auf dem Wilseder Berg
Blick auf den Totengrund, Lüneburger Heide
NS-Opfer Gedenkstätte in der Nähe von Soltau
In Richtung Süden zum Zielort, immer geradeaus

Etappe 25: Wietzendorf - Hermannsburg

Heute morgen startete ich früh, zumindest für meine Verhältnisse: 07:30 Uhr. Bis Hermannsburg lagen rund 31 km vor mir und da ich dort um 16 Uhr mit Manuel Andrack – er übernimmt den Staffelstab – verabredet war, wollte ich auf gar keinen Fall in Wanderstress geraten. Und am besten auch noch ein Stündchen Zeit haben, um das Ankommen für mich in aller Ruhe zu genießen. Genau so hat es auch funktioniert. Nicht funktioniert hat die Zusage eines Hotelmitarbeiters, dass ich auch schon vor der Frühstückszeit (ab 08:00 Uhr) auf jeden Fall einen Kaffee bekäme. Um die Uhrzeit kann ich auf Essen gut verzichten, aber KEINEN Kaffee!?!?!

Ich machte mich also ziemlich unterkoffeiniert auf den waldreichen Weg nach Wietzendorf. Auf dem Heidschnuckenweg ist der Ort offizielles Etappenende. Da vor kurzem aber das einzige Hotel des Ortes seine Pforten dicht machte, kommen Wandernde um Taxifahrten nicht herum. Es ist gerade aber auch für Hoteliers alles andere als einfach. In Wietzendorf ignorierte ich Wegweiser mit Angaben wie „Südsee Camp“ und „Kleinamerika“ und wanderte treu dem X nach. Naja, eher dem H des Heidschnuckenweges, denn von E1-Markierungen war nichts zu sehen. Daran sollte sich lange auch nichts ändern. Trennten sich die Wege, wäre man ohne Karte oder GPS-Gerät echt aufgeschmissen. In fast geradliniger Südost-Richtung wanderte ich zumeist durch Wälder, aber auch immer wieder mal durch offene Landschaften durch den Naturpark Südheide. Mit Erreichen des Wietzer Berges traf ich auf das Denkmal des Heidedichters Herman Löns. Inzwischen waren die dichten Wolken verschwunden, die Sonne lachte vom Schäfchenwolken dekorierten Himmel und verzauberte die hiesige wundervolle Heidelandschaft mit herrlichem Licht.

Mein nächstes Zwischenziel auf meinem Weg nach Hermannsburg war das am Flüsschen Örtze liegende Müden. Heidetourismus spielt hier eine bedeutende Rolle. Aber auch die Freude über den Heidschnuckenweg zeigte sich an jedem Zaun im Ort: hier hingen von rund 100 Grundschülern bemalte Holzscheiben, die sie anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des bekannten Weges angefertigt hatten. Richtig großartig!! Unvermittelt überraschte mich im Ort ein kurzer heftiger Regenschauer direkt vor der Kirche. Deren geöffnete Türe kam wie gerufen und als ich in die Kirche trat, fand ich mich inmitten der Vorbereitungen einer Trauung wieder. So kann’s gehen…

Nach einer knappen Wanderstunde wanderte ich in Hermannsburg ein, wo ich den E1-Staffelstab unter Beisein von Elmar Best und Thorsten Link von Lüneburger Heide Tourismus an Manuel Andrack übergab. Auf Wiedersehen E1, es war wieder spannend mit Dir! Wir sehen uns wieder im September…

Thorsten Hoyer

 

Denkmal des Heidedichters Hermann Löns
Weg durch die Südheide in Richtung Hermannsburg

Etappe 26: Hermannsburg – Celle mit Manuel Andrack

Aus, aus, das Spiel – äh – die Etappe ist aus. Fast 38 Kilometer von Hermannsburg nach Celle liegen hinter mir und ich habe mir für morgen vorsorglich ein künstliches Hüftgelenk bestellt.

Die Highlights der letzten 24 Stunden: Natürlich die Staffelübergabe von Wandergott Thorsten an mich. Ich habe gespürt, dass es Thorsten sehr, sehr schwer gefallen ist loszulassen. Aber nun bin ich an der Reihe. Hermannsburg ist unbedingt eine Reise wert, ich habe köstlich im Ohlsdorfer Gasthaus der Familie Loll (LOL!) gespeist.

Heute Morgen hat mir – der E1 führt mitten durch den Hermannsburger Reitverein – der Schimmel Ernst-August alles Gute für die Etappe gewünscht. In der Misselhorner Heide jede Menge Südheide-Feeling, herrlich. In ungefähr einem Monat, wenn die Heide blüht, natürlich noch geiler. Und genialer Höhepunkt der Etappe war der Angelbecksteich, ein tolles Heide-Gewässer. Bis Celle war es dann etwas zäh, aber entschädigt wurde ich durch die sehr schöne Altstadt und den Schlosspark. Was für ein Etappenfinale. Unbedingt empfehlenswert ist ein Besuch im Stadtmuseum gegenüber vom Schloss. Ich hätte nie gedacht, dass meine alte Moeck-Blockflöte aus Celle kommt. Wahrscheinlich gefertigt aus Südheide-Holz. Darauf ein paneuropäisches Bier mit dem Kollegen Schwejk.

Manuel Andrack

Alles Gute für die Etappe von Ernst-August
In der Misselhorner Heide
Angelbecksteich
Celler Schloss

Etappe 27: Celle – Bissendorf 

Liebes E1-Wandertagebuch,

Die Rettung heute war eindeutig Bernhard. Bernhard ist ein langjähriger Wanderfreund und wohnt in Hamburg. Heute hat er mich auf der Etappe von Celle nach Wedemark begleitet. Wir hatten sehr, sehr viel Spaß. Weitwandern geht auch zu zweit, sehr gut geht das.

Der Schlosspark von Celle – ein traumhafter Etappenstart. Für die gesamte Etappe war ich eher skeptisch und erwartete viel Asphalt und schnurgerade Passagen. Aber – Überraschung, auf den ersten zehn Kilometern gab es reichlich Wald, naturbelassene Wege und schmale Pfade. Und die Markierung – fehlerfrei und unverlaufbar.

Irgendwann befanden wir uns sogar in Gullivers Reich und begegneten einem Riesen-Hochzeitspaar. Brautentführung wäre ziemlich kompliziert. Alles Gute für Marie & Mirco!

Absolutes Highlight der Etappe war aber eindeutig die Mittagspause in Fuhrberg. Ich hatte recherchiert, dass in dem kleinen Ort eine Mini-Brauerei existiert, die ihr köstliches Nass über den Spargelhof Heuer vertreibt. Bis Ende August hat der Hofladen geöffnet, heute allerdings Ruhetag. Mit Vermittlung von UNO, EU und Nabu haben Bernhard und ich dann doch von den Heuers (vielen Dank an dieser Stelle) zwei Liter-Flaschen erstehen können. Märzen-Bier. Ein Mega-Getränk, Top-5-Lieblingsbier. 

Gleich esse ich eine paneuropäische Pizza Napoli in der Pizzeria Firenze (da geht der E1 auch vorbei) und sage Bernhard Adieu. Schön war's, bis bald auf dem E1!

Manuel Andrack

Alles Gute für Marie & Mirco
Der E1 als schmaler Pfad
Mal ein ganz andere Atmosphäre auf dem E1
– es geht unter der A7 entlang
Leckeres Märzen-Bier in Fuhrberg
Zu Bewundern: Grünes Nassidyll am E1

Etappe 28: Bissendorf – Otternhagen 

Liebes E1-Tagebuch.

Heute war es so lala. Aufregend war der dschungelartige Abschnitt mit vielen schmalen Pfaden westlich von Wedemark, den man aber auch erst nach einer schnurgeraden Teerstraße erreichte.

Daher, liebes Tagebuch, möchte ich heute aufzählen, was ich so jeden Tag in meinem E1-Rucksack mitschleppe:

• zwei Flaschen Wasser
• eine "schicke" kurze Hose für Abends
• ein ebenso schickes Wandermagazin T-Shirt für die Staffelübergaben
• Blasenpflaster klein und groß
• zwei Paar Ersatzsocken
• eine Sonnenbrille
• sieben Unterhosen
• Beutel für Schmutzwäsche
• Sonnenmilch
• Anit-Insektenspray extra stark (tropical)
• Badehose
• zwei Reclam-Hefte
• einen gelben Stift
• eine Fleece-jacke
• eine Kapp
• einen Regenschirm
• einen Selfie-Stick
• zwei Handys
• eine Power-Bank
• Frucht-Riegel
• jede Menge Cashew-Kerne
• Funktions-T-Shirt
• Kulturbeutel
• zwei FFP2-Masken
• eine Zeckenkarte
• Flip Flops
• und den Staffelstab

Manuel Andrack

Schmaler Pfad, gut sichtbare Markierung
Wandererholung nach viel schnurgerader Teerstraße
Ich packe meinen E1-Rucksack und nehme mit ...
... 

Etappe 29: Otternhagen – Hagenburg

Liebes E1-Tagebuch, 

wandermässig war das heute etwas enttäuschend, aber so ist das bei einem Weitwanderweg. Man kann nicht durchgehend Top-Wege und reizvolle Landschaften erwarten. Die mäandernde Leine zu überqueren war heute das Natur-Highlight. Ansonsten: Über 80 Prozent asphaltierte Wege, nun ja. Aaaber – manchmal ist bei einer Weitwanderung der Weg eben nicht das Ziel.

Ich sitze gerade in der „Planke 138", direkt am Ufer. Ich schaue (wenn ich nicht gerade diesen Text schreibe) auf das Steinhuder Meer. Großartig. Eine steife Brise bläst mir ins Gesicht, die Sonne scheint, von Hitze keine Spur. Gerade legt ein weißes Ausflugsboot an. Wer braucht eigentlich den Lago Maggiore, wenn es das Steinhuder Meer gibt?

Nun könnte man ja denken, dass die Niedersachsen ganz schön aufschneiden, wenn sie den neuntgrößten deutschen Binnensee „Meer" nennen. Aber Meer, so nennen die Norddeutschen eben einen See. Denn die „See" – da versteht kein Norddeutscher Spaß – das ist nun mal das Meer. Nordsee, Ostsee, Seemann. Eigentlich logisch. 

Auf jeden Fall habe ich heute einen herrlichen (halben) Ferientag am Meer verbracht. Mini-Golfen (42 Schläge, relativ solide), sehr schöne Radtour um das Steinhuder Meer (32 Kilometer). Und Baden im Meer. Um richtig zu Schwimmen, muss man verdammt weit ins Wasser gehen, bei einer durchschnittlichen Wassertiefe von 1,35 m kein Wunder.

Und gleich freue ich mich auf ein Fischbrötchen mit geräuchertem Aal aus dem „Meer". Am meisten freue ich mich aber darauf, morgen wieder loszugehen. Zur nächsten Wanderetappe auf dem E1.

Manuel Andrack

An der Leine
Ein erfrischendes Bad im Steinhuder Meer 
Mit dem Drahtesel sind es 32 km einmal rund rum
Urlaubsfeeling

Etappe 30: Hagenburg - Bad Nenndorf

Liebes E1-Wandertagebuch,

die heutige Etappe war fordernd, ereignisreich, hat Spaß gemacht. Aber auch Schmerzen verursacht.

Nach einem kurzen abschließenden "Ahoi!" am Steinhuder Meer, bin ich durch Hagenburg gewandert. Ein schönes Schloss liegt am Kanal, erbaut von Fürstin Juliane von Hessen-Philippsthal als "Lustschloss mit Bequemlichkeiten". Leider konnte die Fürstin weder Bequemlichkeit noch Lust genießen, da sie ein Jahr vor der Vollendung des Baus starb.

Im Wald von Hagenburg schlimme Insektenattacke. Ich haue auf mein Bein, schau hinunter, mein Unterschenkel sieht aus, als wäre ein Schlachtermesser reingerauscht. Aua! Aus dem Wald raus – Wow-Effekt: Der Abraumberg des Kaliwerks Wunstorf steht vor mir, wie der Tafelberg des E1. Beeindruckend!

Dann in Idensen die Sigwardskirche bewundert. Bischof Sigward war ein schlauer Mann, er hat die Kirche der Heiligen Ursula und ihren (mindestens) 11.000 Jungfrauen gewidmet. Als kölsche Jung habe ich vor glück geweint!

Hinter dem Mittellandkanal kommt der Ort Haste und im Haster Wald wurde ich – nein, diesmal nicht von Insekten – aber von Brennesseln und Dornensträuchern angefallen. Der E1 war da echt markiert! Aber kein durchkommen ohne Machete. Ich habe einen anderen Weg genommen. Wenn ich mir mein zerkratztes, blutendes und geschwollenes Knie so anschaue, denke ich: gegen ein klitzekleines Weniger an Artenvielfalt hätte ich manchmal nichts einzuwenden. 

Schluss der Etappe ist nun im beschaulichen Bad Nenndorf mit seinem wunderschönen Kurpark. Und morgen geht es auf zur Königsetappe auf den Deister, ja, so heisster. 

Manuel Andrack

Schloss Hagenburg mit Kanal 
Der Mount Kalimandscharo –  Abraumberg des Kaliwerks Wunstorf
Sigwardskirche in Idensen
Mittellandkanal

Etappe 31: Bad Nenndorf - Bad Münder

Liebes E1-Wandertagebuch,

Heute musste ich über Deister gehen. In Niedersachsen heißt "über den Deister gehen" nichts Gutes. Sterben, Verschwinden, das sind die Synonyme. Furchtlos startete ich im Kurpark von Bad Nenndorf. Direkt am E1 lockte die kurze Allee der Sünteln-Buchen. Das sind märchenhaft-bizarre Bäume. So, als hätte Salvador Dali im Drogenrausch Buchen gemalt.

Bevor es wirklich bergan ging, habe ich mir an der Mooshütte alte Bergwerkstollen und eine Lore angeschaut. Kaum wird es bergig auf dem E1, dann spielt Bergbau eine Rolle. Nach vielen Flachetappen seit Flensburg, die Thorsten, Michael, Svenja und ich absolviert haben, war es eine Wonne, den Deister bergan zu gehen.

Auf dem Kammweg passierte ich den Nordmannsturm (schöner Turm, toller Kuchen) und den Annaturm (hässlicher Turm, das Essen naja). Ab dem Annaturm (höchste Stelle des Deisters, 405 Meter) ging es bergab, den Deister hinunter. Etwas schade ist es, dass man auf dem gesamten Kammweg keine Ausblicke hat.

Im Kurort Bad Münder angekommen, hatte ich auf jeden Fall das Gefühl, ein richtiges Gebirge überquert zu haben. An einem Tag. Nehmt euch das mal zum Vorbild, liebe Alpenüberquerer! Über den Deister gehen, das ist für mich seit heute eindeutig positiv besetzt.

Manuel Andrack

Allee der Süntel-Buchen
Die Teufelsbrücke im Deister
und die Sage vom Pakt zwischen Jäger und Teufel 
Blick vom Nordmannsturm

Etappe 32: Bad Münder - Hameln 

Liebes E1-Tagebuch,

Kurz nach dem Frühstück ging es heute schon wieder hinauf. Was soll man machen, wenn der Berg ruft. Genau genommen ist der Süntel, den ich heute erklimme, kein Berg, aber auch kein Gebirge. Der Fachterminus lautet: Mittelgebirgsstock. Und die Experten streiten sich, ob der Süntel zwischen Deister und Weser für sich allein steht, oder ob er Teil des Weserberglands sind. 

Vom Süntel-Turm kann man bei guten Sichtverhältnissen bis zum Brocken – Luftlinie 96 Kilometer – schauen. Der Turm lag aber im Nebel, heute morgen hatte es geregnet. Ab dem Süntel-Turm bin ich nicht nur den E1, sondern auch den E11 gewandert. Der E11 beginnt an der niederländischen Nordsee, verläuft quer durch Deutschland, dann durch Polen. In friedlichen Zeiten kann man auf dem E11 auch alle drei baltischen Staaten durchqueren. Heute E1 und E11, das heißt, ich bin zwei Fliegen mit einer Klappe wandern.

Runter vom Süntel und dann direkt nach Hamlen? Oh nein, weit gefehlt. Zweimal noch musste ich bissige Steigungen bewältigen. Die erste Herausforderung heißt auch noch Schweineberg. Nicht zu fassen.

Schließlich ermattete Ankunft in Rattenfängerhausen. Keine Ratten gesehen. Ich hatte mich vorab schlau gemacht. Die Story mit den Ratten: frei erfunden. Allerdings: Dass ein Mensch (vielleicht sogar mit Flöte), die Jugend Hamelns aus der Stadt gelockt hat, das entspricht wahrscheinlich der historischen Realität. Werber aus dem Osten Deutschlands überzeugten im 15. Jahrhundert Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Weserbergland, nach Brandenburg zu übersiedeln. Wahrscehinlich sind sie auf dem E11 dort hingewandert.

Das war's fürs Erste vom E1. Nach einer Sommerpause geht es Mitte August weiter. In Hameln, wo sonst.

Manuel Andrack

E1 trifft auf E11 - dieser führt von Den Haag bis Ogrodniki in Polen
Blick auf den Süntel, Teil des Weserberglandes
Blick vom Süntel in Richtung Weser
Ziel erreicht: Hameln

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Abschnitt 1 – Etappe 1-19

Etappe 1: Krusau (Dänemark) – Oeversee mit Thorsten Hoyer

Heute war der erste Tag der Initiative „12 Wege - 1 Europa“ – endlich ging es los! Gestartet im dänischen Padborg, das unmittelbar an der Grenze zu Deutschland liegt, bin ich dem E1 zunächst über die Grenze bei Krusa nach Flensburg gefolgt. Hier ist mir alles sehr vertraut, erst recht ist das so, als ich Flensburg erreiche. Hier habe ich mal ein Jahr verbracht. Auch wenn das schon ziemlich lange her ist, vergessen hab ich Flensburg nie. Und nun sitze ich hier am Hafen der Fördestadt und erinnere mich an meine Zeit als Marinesoldat an Bord eines U-Jagd-Bootes. Hier in Flensburg habe ich die Wendezeit miterlebt, vielleicht verbindet das zusätzlich. Mir hatte es so gut in Flensburg gefallen, dass ich darüber hinaus eine Zeit lang hier leben wollte. Aber wie es manchmal so ist mit Plänen … Bleiben werde ich aber auch heute nicht, denn mein Plan sieht vor, dass ich noch weiter nach Oeversee wandere. War der Himmel bisher ziemlich bewölkt, kämpft sich nun die Sonne erfolgreich durch das Grau über mir. Also auf geht’s, dem Ziel der ersten Etappe fröhlich entgegenzuwandern.

Thorsten Hoyer

Steen Kobberø-Hansen von der Europäischen Wandervereinigung wandert
die ersten Kilometer mit Chefredakteur Thorsten Hoyer. 
Kurz nach dem Start vor Krusau, Dänemark
Flensburger Förde
Arnkielpark – archäologische Freilichtanlage in Munkwolstrup

Etappe 2: Oeversee – Schleswig

Die Übernachtung in Oeversee im Hotel Historischer Krug war etwas Besonderes, denn es ist das einzige Hotel in Deutschland, das den Zusatz Kongelig privilegeret Kro trägt. Es wurde also von der königlichen Familie als Domizil genutzt. Bald wanderte ich in das Naturschutzgebiet Obere Treenelandschaft – ein wunderschönes Fleckchen Erde. Ein kurzer Stopp in einer Bäckerei ist die einzige Einkaufsmöglichkeit auf der fast 30 km langen Etappe nach Schleswig. An einem Rastplatz habe ich ein Wanderpärchen getroffen, die auch auf dem E1 unterwegs waren; eine sehr nette Begegnung war das. Der hohe Asphaltanteil rückte mit Erreichen des Idstedter Sees in den Hintergrund. Auf einem Steg habe ich ein Päuschen eingelegt und wäre vor lauter Entspannung fast weggedöst. Dann ging es durch herrlichen Buchenwald und Regenschauern zielsicher nach Schleswig, der Stadt an der Schlei.

Thorsten Hoyer

Pause am Idstedter See
Tierische Bewohner, Naturschutzgebiet Obere Treenelandschaft
Da muss man einfach einmal Hallo sagen
Auf unserem Staffelstab von der
Lebenshilfe Detmold e.V. kennzeichnen wir jede Etappe.


Etappe 3: Schleswig - Aschberg

Der dritte Tag auf dem E1 startete in Schleswig und führte entlang der Schlei zum bekannten Wikingermuseum Haithabu –unbedingt mal besuchen! Die Anlage ist seit dem Jahr 2018 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Durch ein bezaubernd schönes Naturschutzgebiet kommt man zur Haddebyer Noorbrücke. Von hier führt der E1 noch eine Weile auf bequemen Wegen durch Wald. Ein herrlicher Teil des Weges, vielleicht sogar der schönste. Das nächste Highlight war der Brekendorfer Wald. Kräftige Buchen, Lärchen und Kiefern säumen die naturnahen Wege und Pfade. Sehr idyllisch liegt inmitten des Waldes der sagenumwobene Rammsee – klein, aber sehr fein. Der Wald hat mich echt überrascht und sehr begeistert. Nun, so etwas gab es so die vergangenen Tage auch nicht. Anschließend ging es hoch hinauf auf den Heidberg. Fast 100 Meter ist der hoch – ich bin ja schließlich auch im Naturpark Hüttener Berge unterwegs. Die schönen Waldwege blieben mir noch bis zu meinem Ziel Aschberg erhalten. Eine tolle Tour!

Thorsten Hoyer

Blick auf Schleswig
Waldig, schattig und grün
Die Richtung stimmt, auf zum Heidberg!

Etappe 4: Aschberg - Eckernförde 

Heute Morgen ging ich in die Luft. Da ich mich im Naturpark Hüttener Berge befand und ich in einem Hotel auf dem fast 100 Meter hohen Aschberg übernachtete, stieg ich nach dem Frühstück doch erstmal auf den dortigen Aussichtsturm. Die Sicht erstreckt sich weit in die hügelige Landschaft, in der der Nord-Ostsee-Kanal und bei klarem Wetter sogar Kiel zu sehen ist. War es zunächst noch sonnig, ließ sich von hier oben aber auch schon eine mächtige dunkle Wolkenfront ausmachen. Diese zog allerdings vorbei.

Ganz anders die schwarzen Wolkenberge, die mittags ihre Aufmerksamkeit einforderten. Da kam mir eine Einladung von Asita und Volker gerade recht. Über Instagram haben sie mich kontaktiert und eingeladen. Der E1 führt direkt an ihrem Hof vorbei. Während es sich ausregnete, genoss ich die Gastfreundschaft der Beiden. E-1-Wandernden, die mit Zelt unterwegs sind, bieten sie einen Platz auf ihrem großen und abseits gelegenen Grundstück an – tolle Leute!

Das Wetter war so abwechslungsreich wie das Wegeformat: Sonne und Regen wechselten sich ab, wie asphaltierte und naturnahe Wege. Als ich zwischen Feldern und Wolken das Windebyer Noor entdeckte, konnte Eckernförde nicht mehr weit sein. Und so war es dann auch. Am Sandstrand des Städtchens machte ich mein Quartier aus – und eine große Europaflagge. 

Thorsten Hoyer

Ausblick vom Aussichtsturm auf dem Aschberg
Abwechslunsgreicher Etappentag:
Sonne und Regen, asphaltierte und naturnahe Wege
Etappenziel Eckernförde –
Am Strand weht passenderweise die Europaflagge

Etappe 5: Eckernförde – Surendorf

Ich startete sehr früh in Eckernförde, denn der fünfte Tag war mein letzter Wandertag auf dem E 1 und ich wollte den Staffelstab pünktlich in Surendorf übergeben. „Mein letzter Wandertag“ bezieht sich natürlich auf diesen ersten Abschnitt; drei weitere werden noch folgen. Das Wetter war wechselhaft, aber Regen war für heute nicht gemeldet. Was die vergangenen beiden Tage schon war, begleitete mich auch an diesem: steife Briese mit kräftigen Böen. Wunderschön schien die Sonne über die Eckernförder Bucht, ein Stück war ich noch in Sichtweite der Ostsee.

Ich folgte einem Radweg parallel einer Straße, auf der an diesem frühen Samstagmorgen schon allerhand los war. Zum Glück war dieses Wegstück nicht sehr lang und ich folgte dem E 1 in ein Waldgebiet. Zunächst ging ich am Eckernförder Ruheforst vorbei, dann tiefer in den Wald mit seinen kräftigen Buchen. Auf einem Pfad umschlängelte ich die frisch ergrünten Bäume und geriet in eine mystische Stimmung, als die Sonnenstrahlen sich ihren Weg zwischen den Bäumen suchten und einen kleinen See wunderschön illuminierte. Es sind solche Momente, die man förmlich aufsaugen muss, weil sie auch die beste Kamera nicht festhalten kann.

Dann gelangte ich wieder an die Ostsee, an der der E 1 direkt entlang führt. Zunächst noch auf einem Pfad, dann über weite Strecken direkt entlang des sandig-steinigen Strandes. Bis zu meinem Ziel Surendorf begleiteten mich unentwegt das Meeresrauschen, das Pfeifen des Windes und die einzigartigen Wolkenformationen über der Ostsee. Immer wieder hielt ich an, hockte mich nieder und genoss die Faszination der Natur. Genau das ist es, was den Kopf frei macht für klare Gedanken. Ich liebe es! In Surendorf traf ich auf Michael Sänger, Herausgeber des Wandermagazins, dem ich den Staffelstab übergab. Jetzt geht er und ich nehme den Zug nach Hause. Die ersten fünf Etappen sind geschafft. Aber ich komme wieder, kein Frage…! 

Thorsten Hoyer

Tief im Wald versunken
Der E1 verläuft teilweise direkt auf dem Strand.
Der gut getarnte Sandregenpfeiffer ist akut vom Aussterben
bedroht und wird hier am Strand besonders beschützt.
Staffelstabübergabe zwischen Thorsten Hoyer und 
​​​​​​Michael Sänger bei steifer Brise.

Etappe 6: Surendorf – Kiel mit Michael Sänger

Anstrengende Tour an den Steilküsten der Halbinsel Dänischer Wohld (zwischen Eckernförder Bucht und Kieler Förde) entlang – aber herausragend schön! Bis zum Bülker Leuchtturm (22 m und für 2 Euro besteigbar) geht es nahezu entweder am Strand oder auf den Klippen entlang. Besonders die Stohler Klippen mit bis zu 30 Metern Höhe bieten tolle Ausblicke auf die Ostsee. Insgesamt erzählt die Etappe viel über die Eiszeit. Sie hat die Steilkllippen, die Moränenhügel, die versteckten Schmelzwässertalrinnen und die riesigen Findlinge zu verantworten und die wunderschöne Halbinsel gestaltet. Dänische und schwedische Namenszusätze in den Ortsnamen zeigen auf die Jahrhunderte unter dänischer oder schwedischer Herrschaft hin. Erst der Nord-Ostsee-Kanal bringt den Wanderer wieder in das Jetzt und Heute. Vom Olympiadorf hinter Strande wandert man nahezu komplett auf schmalen Pfaden durch Wald und tunnelartige Gebüschpassagen. Dann gibt sich die Landeshauptstadt Kiel mit einer tollen Promenade von etlichen Kilometern Länge die Ehre.

Michael Sänger

Steilklippen an der Halbinsel Dänischer Wohld
Auf schmalen Pfaden durch Wald und Wiesen
Der Bülker Leuchtturm
Mit der Fähre geht es bei Kiel über den Nord-Ostsee-Kanal

Etappe 7: Kiel – Preetz

Mittelpunkt der heutigen Etappe ist die Schwentine. 62 km lang entspringt sie am Bungsberg dem höchsten Gipfel Schleswig-Holsteins. In Kiel, genauer zwischen Dietrichsdorf und Wellingdorf, mündet die Schwentine in die Ostsee. In unendlichen vielen Mäandern mit 16 Seen und einem Stausee bietet der Heilige Fluss himmlische Stille sowie Wander- und Wasserwandererlebnisse der besonderen Art. Während die Schwentine die letzten 12.000 Jahre den Landschaftsgestalter spielte, stammt der „Plan“ aus der letzten Eiszeit. Gewaltige Schmelzwasserströme haben diese zum Teil hintereinander liegenden Seen „angelegt“. Erste Station ist Preetz mit seinem noch aktiven Kloster aus dem 13. Jahrhundert. Preetz erlangte im 19. Jahrhundert den Ruf einer Schusterstadt, 160 selbständige Schuhmachermeister, 360 Gesellen und 160 Lehrlinge. Der schöne Brunnen auf dem Marktplatz erinnert daran.

Michael Sänger

Der Name Schwentine ist vermutlich slawischen Ursprungs
... und bedeutet: Die Heilige.
Ein üppiger Vorgarten
Das Kloster in Preetz

Etappe 8: Preetz – Plön

Es war der Tag der Seen und Gutshäuser. Schon vom Start in Preetz begleiteten mich auf dem E1 die Seen der Schwentine. Kirchsee, Lanker See, Wielener See, der Kleine Plöner See, der Trammer See und am Ende Schleswig-Holsteins größter See, der Große Plöner See. Der sagenhafte Rundumblick vom 20 m hohen Parnaßturm über der Schlossstadt Plön zeigt eindrucksvoll, wie sich Plön inmitten einer bezaubernden Seenlandschaft strategisch perfekt platziert hat. Hervorgegangen aus einer Slawensiedlung reifte Plön zum bedeutenden Handelszentrum und wurde sogar Residenzstadt des Herzogtums Schleswig-Holstein – Sonderburg – Plön.

In vielen Dörfern am E1 stehen alte mit reetgedeckte Häuser. Davor üppig blühende Bauerngärten. Einer schöner als der andere. Man trifft auf altehrwürdige Gutshöfe wie Güsdorf, Gut Wahlstorf oder das auf einer Halbinsel im Kleinen Plöner See gelegene Gut Wittmoldt. Wogende Roggen- und Gerstenfelder verwandeln die sanft gewellte Moränenlandschaft in sattes Bauernland. Fortwährend ziehen Gänseschwärme in der typischen Einserformation am Himmel von See zu See. An den Ufern quakt und trötet es und mehr als zwei- oder dreihundert uralte Eichen mit kolossalen Stammumfängen ließen mich angesichts der Erhabenheit und Kraft schwärmen. Hat viel Spaß gemacht.

Michael Sänger

Sonnenaufgang am See
Das Gut Wittmold beherbgt auch E1-Wandernde
Ausblick vom Parnaßturm in Plön
Einfahrt zum Gutshaus Güsdorf

Etappe 9: Plön – Eutin

Das Herz des Wassereichs: Die Etappe von Plön nach Eutin ist geprägt von den „Schwentine-Teichen“. Darunter sind so veritable Seen wie der Große Plöner See, der Dieksee oder der Kellersee. Andere ganz klein wie der Edebergsee, der Höftsee oder wie Großer und Kleiner Madebröken See. Wieder andere liegen dazwischen so der Behler See oder der Suhrer See. Dazwischen, am Start und dem Ziel der Etappe, warten zwei grandiose Schlösser auf die E1-Wandernden. Dazu alte Reetdachhäuser und insgesamt sehr see- und naturnahe Wege. Der Holzturm in Malente sorgt für den nötigen Überblick und lädt zur Halbzeit. Für die Etappen zwischen Kiel und Eutin gilt übrigens große Flexibilität. Sowohl Preetz, als auch Plön, Malente und Eutin liegen an der gleichen Bahnlinie und werden im Halbstundentakt angefahren. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass in der Holsteinischen Schweiz auch Berufsfischer aktiv sind. Es darf also auch mal Fisch gegessen werden.

Michael Sänger

Es dämmert über dem See
Berufsfischerei am Dieksee
Der E1 hat hier eine abwechslungsreiche Wegführung. 
Am prächtigen Schloss Eutin

Etappe 10: Eutin – Schönwalde

Obwohl der Asphaltanteil heute hoch war, konnte mir das die Laune nicht verdrießen. Immer wieder gab es interessante „Einlagen“. Dass eines der beiden Herrenhäuser von Gut Stendorf mal großherzogliches Jagdschloss war – wer hätte das gedacht. Die ehemaligen Häuser der Jagd- und Landwirtschaftshelfer sind schmuck hergerichtet, wie auch die nahezu im Original erhaltene Schwarze Kate. Aus dem 18. Jh. stammt das im regionstypischen Stil mit Reet gedeckte Häuschen. Das ganze Ensemble aus Dorf und Gut steht unter Denkmalschutz. Der Bungsberg, die überraschende Entdeckung, dass man über unendliche Stufen auf die Aussichtsplattform des 249 m hohen Sendeturms in knapp 40 m Höhe steigen kann – das entschädigte vollkommen. Von dort oben habe ich die Ostsee in der Sonne glitzern sehen und man kann bei klarer Sicht bis Fehmarn, Heiligenhafen, Travemünde oder Lübeck schauen. Herrlich. Mit 168 m schaffte es der Bungsberg in der letzten Eiszeit auch, den Gletschermassen aus dem Norden zu widerstehen. Aufgeschüttet haben ihn während Gletscher der Saaleeiszeit lange vorher. Die „Wilde Weide“ Bekmesser lieferte den krönenden Abschluss. Einzig traurig war ich angesichts der Bergetappe, dass der E1 nicht zur Quelle der Schwentine führt. Diesem Zauberflüsschen, das noch in Eutin See um See befüllt, durchströmt und zum Ruhm der Holsteinischen Schweiz als Seenreich beiträgt, sollte man an seinem Ursprung vielleicht mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen?

Michael Sänger

Auf dem Bungsberg: ​​​​Blick vom Fernmeldeturm
auf den 150 Jahre alte, denkmalgeschützte Elisabethturm.
Zauberhafte Häuschen 
Weitsichtmoment über eine Wiesenlandschaft

 

Etappe 11: Schönwalde – Neustadt i. Holstein

Der Flow

Es gibt Tage (ergo auch Wandertage), da fließt alles. Der unfassbar friedliche Morgen. In allen noch so kleinen Senken wabert Nebel. Die Luft ist klar, der Himmel unwirklich blau und die Sonne wirft Lichtblitze wohin man blickt. Der Start in Schönwalde am Bungsberg konnte nicht schöner sein. Das Naturschutzgebiet Kasseendorfer Teiche mit Oberteich und Kolksee, kleinste Liegenschaften umgeben von Wald und Weiden. Gut Sierhagen mit 800-jähriger Geschichte. Die Geschichte der Grafen Scheel-Plessen, die wiederum bis zur Burg Plesse sieben Kilometer nördlich von Göttingen führt. Der E1 ist wahrlich eine Lebensader, ein Weg, der verbindet.

Und dann das Naturschutzgebiet Neustädter Binnenwasser vor den Toren der schnuckligen Hafenstadt Neustadt/Holstein. Große Zweimaster ankern an den Kais zwischen Dutzenden Segelyachten. Noch bevor ich die Brücke in die Altstadt passieren kann, lockt das uralte Backsteinkirchlein Hospitalkirche Heilig Geist. Die Türen der Kirche weit geöffnet, stellen eine Bildhauerin und eine Malerin ihre Werke aus. Kunst und Geschichte! Und ich mit Wanderrucksack und weit geöffneten Pforten der Wahrnehmung sauge in vollen Zügen auf. Herrlich!

Michael Sänger

Morgenstimmung auf Etappe 11
Gut Sierhagen
Hafenbecken in Neustadt i. Holstein

 

Etappe 12: Neustadt i. Holstein – Bad Schwartau

Überraschungen

Da wandert man so vor sich hin und trifft interessante Menschen und stößt auf spannende Geschichten. In der Frühe begeisterte mich das Naturschutzgebiet „Kasseedorfer Teiche und Umgebung“ mit Mager- und Trockenrasen sowie Staudenfluren. Hier suchen sich Seeadler ihre Nahrung und der Uhu ist heimisch geworden. Ich lauschte dem Vogelkonzert in den Knicks (das sind Wallhecken) und der Redder (das sind die von hohen Hecken und Knicks gesäumten Wege). Mönchsgrasmücken, Laubsänger, Singdrosseln, Zilpzalp und Buchfink sangen um die Wette. Gut Oevelgönne mit dem sehenswerten Torhaus, all die kleinen Weiler, die riesigen Getreidefelder verströmten „Frieden“. Durch ein Waldstück erreichte ich die Pönitzer Seenplatte und traf am Taschensee Bernhard, Vorstand des Regionalmuseums Scharbeutz mit Sitz in Pönitz. Er erzählte dem erstaunten Wanderer, dass man mit vielen Ausstellungen hier und entlang der ganzen Ostseeküste der gewaltigen Sturmflut vor 150 Jahren gedenke. Beim Abschied erinnerte er noch an den Dänischen Graben und ein 1.000 Jahre altes Boot im Museum. Der E1 folgt dem Dänischen Graben zwischen Taschensee und Kleinem Pönitzer See bevor er an der Badeanstalt Klingberg vorbei erstmals auf die Schwartau trifft. Hier traf ich Gena, der auf dem E1 in Richtung Norwegen unterwegs ist und erfreute mich bald der tollen Aussicht vom Bismarckturm auf dem Pariner Berg, einer regionstypischen und 72 m hohen eiszeitlichen Endmoräne. Durch das Landschaftsschutzgebiet „Schwartauer Tal“ mit sehenswerter Obstwiese ging es schnurstracks auf Bad Schwartau zu.

Gut Oevelgönne
Wasserreiche Momente 
Aussicht vom Bismarckturm auf dem Pariner Berg
Staffelübergabe an Svenja Walter auf dem E1

Etappe 13: Bad Schwartau – Lübeck-Kücknitz mit Svenja Walter

Unser Etappenort Bad Schwartau liegt nur sechs Minuten mit der Bahn vom Timmendorfer Strand entfernt. Am Abend vor meinem Start auf dem E1 konnte ich es mir deshalb nicht nehmen lassen, dem Meer einmal „Hallo“ zu sagen. In den nächsten Tagen entfernt sich der E1 langsam endgültig von der Ostsee. In sieben Tagen sollte ich dann in Hamburg-Altona ankommen.

Zum Start der heutigen Etappe ging es bis Ratekau durch die schönen Schwartau-Auen, wo der Kuckuck rief, die Frösche quakten und die Weinbergschnecken die Bäume bevölkerten. So viele Weinbergschnecken wie heute habe ich noch nie an einem Tag gesehen. Auf den folgenden Kilometern überwiegen sommerliche Wiesen und Felder, die sich über sanfte Höhenzüge schwingen. Darüber strahlte der weite blaue Himmel und wenn es überhaupt Wolken gab, dann waren es weiße Schleier, manche so fein wie Zuckerwattefäden. Mit immer wieder kleinen Weihern und Tümpeln, Sumpfgebieten und Bruchwäldern ergab sich ein landschaftliches Mosaik aus verschiedenen Naturräumen entlang des E1. Wald- und Wiesenpfade wechselten sich mit asphaltierten Wegen ab bis nach Kücknitz, das bereits zur Hansestadt Lübeck gehört. Bis auf ein paar Hunde-Gassi-Geher hatte ich die Wege meist für mich allein.

Der E1 führt erfreulicherweise um Kücknitz herum durch den siedlungsnahen Wald des Kücknitzer Mühlenbaches und endet dann, so schien es, an einer zweispurigen Bundesstraße.Die Etappe endet tatsächlich ganz regulär mit einer Busfahrt: Der E1 quert die Trave Richtung Lübeck durch den 860 m langen Herrentunnel. Radfahrende und Wandernde – erstere sind hier klar in der Überzahl – sammeln sich an einer Bushaltestelle direkt am E1 und fahren mit dem kostenlosen Shuttle unter dem Fluss durch.

Tal der Schwartau bei Bad Schwartau
Ortsrand von Ratekau
Hof bei Ratekau-Kreuzkamp
Weinbergschnecke am Baum

Etappe 14: Lübeck-Kücknitz – Krummesse

Ganz nüchtern betrachtet und mit einem kurzen Blick auf die heutige Etappe könnte man sagen, ich bin den ganzen Tag um Lübeck herum gelaufen. Von der Hansestadt mit dem bekannten Holstentor habe ich nicht viel gesehen. Bei einem längeren Blick auf die Karte wird deutlich, dass der E1 durch eine Reihe von Naturschutzgebieten vor den Toren der Hansestadt Lübeck führt.

Von der Trave ging es in das Lauerholz, ein dichter Wald mit schwarzen morastigen Tümpeln. Bereits 1882 als Erholungswald für die HansestädterInnen angelegt, begann man im Jahr in 1920 aufgrund einer Mückenplage damit, die stehenden Gewässer zu beseitigen. Zum Glück für die Natur sind noch einige Gewässer erhalten und Mücken ebenso. Ab wann sie offiziell als Plage eingestuft werden, weiß ich nicht, immer wenn ich stehen blieb, haben sie mich jedenfalls geplagt.

Die Moorwälder des Wesloer Moors fand ich aber so faszinierend, dass ich ein paar Mückenstiche gerne in Kauf nahm: unzählige im Wasser und Schilfgras versunkene Bäume, schweigsame Moorseen und eine scheinbare Undurchdringlichkeit – der E1 geht mitten hindurch auf angenehm weichem Waldboden. Als Teil eines Fauna-Flora-Habitat-Gebiets stehen die Moorwälder sogar unter europäischem Schutz.

Dann ging es direkt ins nächste Naturschutzgebiet: die Wakenitzniederungen bei Lübeck. Als ehemaliger deutsch-deutscher Grenzfluss sind die Ufer der Wakenitz abgesehen von ein paar niedlichen Schrebergärten fast unverbaut geblieben. Schon seit dem Mittelalter hingegen ist sie angestaut, sodass sich viele seenartige fast stehende Gewässer gebildet haben. Auf den letzten 6 Kilometern war Asphaltwandern entlang der Landstraße angesagt. Aber ich hatte mein Nachmittagstief gerade überwunden, die schwüle Luft des vorangegangenen Regenschauers war verflogen und so konnte ich auch diesem Abschnitt viel positives abgewinnen: leuchtend gelb-weiße Margeriten am Wegesrand zum Beispiel oder die in der Abendsonne glänzenden Ähren der Gerstenfelder. Ziel war die St. Johannis Kirche in Krummesse.

Svenja Walter

FFH Gebiet Moorwälder Wesloer Moor
Paddelgenuss auf der Wakenitz
Zwischen Blankensee und Krummesse
St. Johanniskirche in Krummesse

Etappe 15: Krummesse – Farchau

Der Morgen auf dem E1 war geprägt vom Elbe-Lübeck-Kanal. Er verbindet die Elbe mit Lübeck und somit mit der Ostsee und ist zu seiner linken und rechten überraschend grün, eigentlich sollte mich das in Schleswig-Holstein nicht mehr überraschen. Für heutige Containerschiffe ist der Kanal nicht mehr ausgelegt, aber früher …. ! Früher, ab 1398, hatte die Wasserstraße, damals noch unter dem Namen Stecknitz, ihre wirtschaftlich wertvollste Nutzungsphase. Zu der Zeit ließ die mächtige Hansestadt Lübeck auf der Stecknitz das Lüneberger Salz zur Ostsee transportieren. Es wurde u. a. gebraucht, um den gefangenen Fisch haltbar zu machen. Das „weiße Gold“ brachte die Lübecker Kaufmannsleute zu Reichtum, denn es war in ganz Skandinavien sehr begehrt. Die Stecknitzschiffer, die aus den umliegenden Orten der Stecknitz kamen und fündige Salzherren arbeiteten, bildeten später eine eigene Zunft in Lübeck. Die Kähne wurden über den Uferweg gezogen, auf dem heute der E1 verläuft. Deshalb heißt der Weg auch Alte Salzstraße. Eine Stecknitzfahrt dauerte von Lauenburg an der Elbe bis nach Lübeck zwei bis drei Wochen, je nach Wasserstand und Ladung.

Der E1 biegt nach sechs Kilometern ab und führt dann auf langen menschenleeren Wald- und Feldwegen zum großen Ratzeburger See. Die Ankunft am Steg mit dem kleinen Reetdach und den friedlich daliegenden Booten war auf jeden Fall ein Highlight. Lediglich ein fahles Licht schaffte es heute durch die Wolkendecke, aber dieser Ort mit seiner absoluten Ruhe ließ bei mir unmittelbar ein Gefühl von Urlaub aufkommen. Nach einem Stück Apfelkuchen am Campingplatz musste ich mich allerdings losreißen. Es ging weiter durch den Uferwald, über die Inselstadt Ratzeburg zur Farchauer Mühle am Ufer des benachbarten Küchensee, dem Ziel unserer 15. Etappe.

Svenja Walter

Nachbau eines Salzkahns bei Berkenthin
Ratzeburger See bei Buchholz
Schmale Straße bei der Inselstadt Ratzeburg
zwischen Domsee und Kleinem Küchensee
Farchauer Mühle

Etappe 16: Farchau – Güster

Seit gestern befinde ich mich im Herzogtum Lauenburg, im süd-östlichen sehr waldreichen Schleswig-Holstein. Die 16. Etappe führte mich zuerst nach Mölln, in die Eulenspiegelstadt. Till Eulenspiegel, der Protagonist aus einem Volksbuch des 16. Jahrhunderts, zog als Schelm umher und spielte seinen Mitmenschen immer wieder neue Streiche, um ihre Unzulänglichkeiten bloßzustellen. Heute wird er oft als Narr dargestellt, andere Deutungen lassen vermuten, dass er vielmehr ein Gesellschaftskritiker war, der seinen Mitmenschen an Witz und Scharfsinnigkeit überlegen war. Laut einer Innschrift auf einem Gedenkstein starb Till Eulenspiegel 1350 in Mölln. Steht man vor der Eulenspiegelfigur gegenüber des Museums, ist ihm der Schelm auf jeden Fall ins Gesicht geschrieben.

Mölln gefiel mir mit dem Wirr-warr aus kleinen Seen, dem hübschen Hellbach, an dessen Ufern pittoreske Gärten und alte Villen stehen. Es war zu schön, um keine Pause zu machen, obwohl noch 20 von 30 km vor mir lagen. Von der Stadt aus ging es zunächst mehrere Kilometer entlang der Ufer von Schmal- und Drüsensee, nur zwei von über 40 Seen im Naturpark Lauenburgische Seen, zu dem auch der Ratzeburger See gehört. Es war wunderschön. Es roch nach See - bisher war mir nicht bewusst, dass es einen Seegeruch gibt, aber jetzt kenne ich ihn - und das Sommergefühl wurde nach einem Fußbad und ein paar Barfuß-Metern mit den Wanderschuhen in der Hand noch verstärkt. Eine Geschenk an meine Füße!

Dann führt der E1 erfreulicherweise durch das Naturschutzgebiet Hellbachtal, von dem mir bereits ein Anwohner vorgeschwärmt hatte. Das Hellbachtal hat mich mit seinen Schilfgraswiesen fasziniert, der Hellbach selbst zeichnet sich nur durch eine Baumreihe, die sich durch das hohe Gras schlängelt, ab. Eine wunderschöne Landschaft. Dann hieß es Streckemachen auf geraden Waldwegen durch Kiefernforste, den Mücken davonlaufend, zum Etappenziel Güster.

Svenja Walter

Farchauer Hof
Blick auf Mölln
Eulenspiegelfigur gegenüber vom Museum in Mölln
Schmalsee im Naturpark Lauenburgische Seen
Große Kiefernforste auf dem Weg nach Güster

Etappe 17: Güster – Grande

Der Start war etwas holprig durch dichten Kiefernwald auf leicht zugewachsenen Wegen. Aber es sollte der einzige Abschnitt dieser Art für den heutigen Tag bleiben. Zwischen Lindenalleen tauchte wie aus dem Nichts Gut Wotersen in barockem Gelb in einer Ansammlung von Stallungen auf. Ich traf die Köchin und Haushälterin des Gutshauses, die mit einem dicken Schlüsselbund in der Hand auf dem Fahrrad über das Gelände fuhr. Sie ist seit über 21 Jahren Köchin für die in dem Gutshaus lebende Familie und kennt nach eigener Aussage „jeden Grashalm und jede Fuge hier“. Das Gutshaus war drei Jahrhunderte lang im Besitz der Adelsfamilie Bernstorff, heute ist es vor allem auch Veranstaltungsort, z. B. für das Schleswig-Holstein-Musik-Festival. Die Besuchenden kommen dann zum Picknicken her, manche „mit Holztisch und Kronleuchter“, erzählte die Köchin schmunzelnd.

Ab dem Gut Wotersen führt der E1 durch Felder des Herzogtum Lauenburg immer gen Westen. Eigentlich hatte ich mir die Landschaft in Schleswig-Holstein vielfach so vorgestellt, die Ausmaße versteht man jedoch erst wenn man zu Fuß unterwegs ist, im eigenen Tempo. Und mir ist mal wieder klargeworden: es braucht keine spektakulären Landschaften. Die heutige Etappe ließe sich vielleicht ganz treffend mit „unaufgeregt schön“ beschreiben, bisweilen monoton. Doch dann gibt es diese magischen Momente, in denen ich anhalte und aufschaue, anders schaue, eine Harmonie aus Licht, Farben, Formen und Bewegungen sehe und mich nicht satt sehen kann: an dem im Wind wiegenden Meer aus goldenen Halmen und Ähren, den Schwalben, die im rasanten Tiefflug dicht darüber hinweg segeln, den sattgrünen Bäumen und darüber am Horizont weiße bauschige Wolken, die wie auf einer unsichtbaren Ebene angeordnet am weiten blauen Himmel hängen. Mehr braucht es nicht, es war ein vollkommen erfüllter Moment.

Beim Weitwandern hat man die Zeit sich treiben zu lassen, sich zwischendurch zu verlieren in der Landschaft und sich wieder zu finden. Denn es gibt nichts anderes zu tun als Gehen. Wenn man jeden Tag weit wandert, dann wird „noch 5 km“ irgendwann zu „nur noch 5 km“, das ist ein cooles Gefühl. Die Tage verschwimmen, ist heute Mittwoch oder Donnerstag? Nichts zu tun außer Gehen - und Ankommen (heute in der hübschen Grander Mühle). Es ist eine ewige Balance aus weitergehen und ankommen. Ich weiß schon, dass ich mich morgen früh wieder freuen werde loszugehen.

Lindenallee vor Wotersen
Gut Wotersen
Felder zwischen Fuhlenhagen und Basthorst
Ziel erreicht: Die Grander Mühle

Etappe 18: Grande – Hamburg-Bergedorf

Am Morgen habe ich „meinen“ ersten E1-Wanderer getroffen! Auf meiner sechsten Etappe, insgesamt unserer 18. Rüdiger ist Lehrer und ist auf dem E1 seit einigen Jahren immer wieder etappenweise unterwegs. Vor der Corona-Pandemie ist er aus dem Süden kommend nach Hamburg gewandert und gestern wieder gestartet. Wären wir nicht in entgegengesetzte Richtung unterwegs gewesen, wären wir sicherlich ein Stück zusammen gegangen. So standen wir im Wald auf dem Weg und tauschten uns aus über die jeweils vor uns liegenden Streckenabschnitte. Sehr nett! Den meisten Menschen, mit denen ich hier gesprochen habe, war nicht bewusst, dass der E1 überhaupt an ihrer Haustür vorbeiführt. Mit Rüdiger kann ich mich hingegen über die kleinen Details des Wanderlebens unterhalten und wir finden viele Gemeinsamkeiten.

Dann ging es weiter fast den ganzen Tag durch das Naturschutzgebiet Billetal Richtung Hamburg. Schattige, wurzelige Waldpfade, rechts die Bille, mal direkt neben mir, mal weiter weg im Schilfgras verborgen. Dann einige von Forstmaschinen umgepflügte Wege, auf denen ich etwas Mühe hatte, auf dem E1 zu bleiben. Auf Instagram, wo wir täglich berichten, beantwortete ich Fragen von anderen Wandernden, sinnierte über die bereichernde Erfahrung des Allein-Weitwanderns und darüber, wie ich mich motiviere, wenn die Wanderlaune mal nachlässt. Inzwischen habe ich mich nochmal ein Stück besser kennengelernt, weiß, wie ich meine Pausen am besten mache. Trotzdem nahm ich innerlich langsam Abschied von Schleswig-Holstein.

Entlang der Bille wanderte ich nach Hamburg hinein. Die Szenerie änderte sich, wurde städtischer. Bisher war ich immer neugierig auf die wenigen kleinen Ortschaften entlang des E1, oft nur Siedlungen, aber die hübschen Häuser und Gärten waren stets eine willkommene Abwechslung. Hamburg, der Verkehr und die relativ vielen Menschen waren ungewohnt. Ich musste an Rüdigers Worte denken, der sagte: „Seit ich fernwandere und zu Fuß in einer Stadt ankomme, weiß ich wirklich, wo sie liegt!“ Das konnte ich gut nachempfinden. Das Bergedorfer Schloss markierte den Endpunkt der Etappe. Ich bin gespannt auf den morgigen Tag in Hamburg, unserer vorerst letzten Etappe, bis es dann am 4. Juli hier weitergeht.

Naturschutzgebiet Billetal
Svenja trifft Rüdiger, er läuft den E1 in die andere Richtung
Bergerdorfer Schloss

Etappe 19: Hamburg-Bergedorf – Hamburg-Altona

Der E1 führte mich auf der heutigen Etappe in Hamburg zuerst noch einmal ins Grüne, in das Naturschutzgebiet Boberger Niederungen. Hier gibt es viele verschiedene Lebensräume auf engstem Raum: djungelartigen Wald, Heideflächen, Marschland und vor allem eine Wanderdüne, die mich natürlich sehr interessiert hat. Es ist Hamburgs letzte Wanderdüne und Überbleibsel einer ehemals riesigen Dünenlandschaft, die im 19. und 20. Jahrhundert nach und nach für Bauzwecke abgetragen wurde. Davor waren die Dünen den starken Winden im früheren Elburstromtal ausgesetzt und veränderten dadurch ihre Form und Position. Ob, und wenn ja wie weit, die Boberger Wanderdüne – ich nenne sie mal Bobbi – heute noch wandert, konnte ich leider nicht herausfinden.

Einige Stunden lang wanderte ich dann zwischen Häuserblöcken und durch Wohnsiedlungen, zwar oft entlang parkähnlicher Grünstreifen, trotzdem gab es verglichen mit den letzten Tagen eindeutig mehr Lärm und Verkehr. In den letzten Tagen wunderte ich mich schon an manchen Orten über die Wegführung des E1. Aber dann fiel mir wieder ein, dass dieser Europäische Fernwanderweg schon 50 Jahre alt ist und versuchte mir vorzustellen wie es wohl vor 50 Jahren hier ausgesehen haben könnte. Anders als viele Wanderwege heute ist der E1 nicht so angelegt, dass er ausschließlich zu den Highlights einer Region führt. Vielmehr verbindet er Regionen und Landschaften und man lernt die Regionen so kennen, wie sie nun mal sind. Der E1 zeigt wie alles zusammenhängt und das ist irgendwie ein schönes Gefühl.

Endlich, die Außenalster! Jetzt erkannte ich Hamburg wieder. Auch ein paar „X“e fand ich ab und zu, umklebt von Dutzenden Stickern und nicht mehr an Bäumen sondern an Laternenpfählen. Es ging noch ein ganzes Stück durch den Park „Planten & Blomen“, zwischen Spazierenden, spielenden Familien und Skateboardern am Samstagnachmittag, dann nach St. Pauli und zu den Landungsbrücken im Hamburger Hafen – mein persönlicher Zieleinlauf und das Tor zur Welt! Vorbei am Fischmarkt endet unsere 19. Etappe und damit unser erster Abschnitt der E1-Wanderung durch Deutschland in Altona. Es hat Spaß gemacht, Schleswig-Holstein zu Fuß kennen zu entdecken und macht definitiv neugierig auf mehr! In Hamburg sehen wir uns am 4. Juli wieder – auf dem E1.

Svenja Walter

Hamburgs letzte Wanderdüne 
An der Außenalster
Wegmarkierungen sehen jetzt etwas anders aus
An den Landungsbrücken im Hamburger Hafen

Noch mehr Eindrücke von den Etappen 1-19 findet ihr auf Instagram in unserem Story Highlight "E1 – Let`s hike!"