Eigentlich will ich mehr Zeit draußen verbringen, öfter mal rausgehen in die Natur, mich mehr bewegen. Doch die Tage sind kurz im Januar, draußen ist es ungemütlich und eigentlich habe ich nächstes Wochenende mehr Zeit. Eigentlich.
Vielleicht hat sich der ein oder andere ebenso wie ich vorgenommen, im neuen Jahr mehr Zeit draußen zu verbringen, öfter wandern zu gehen oder gar mit dem Wandern zu beginnen. Wir wissen schließlich genau, dass Bewegung an der frischen Luft gesund ist, und sitzen tun die meisten von uns mehr als genug, auch klar.
Deshalb zeigen wir euch, warum der Januar trotz oder gerade wegen seiner kalten Eigenschaften ein guter Monat zum Wandern ist und wie das mit den Wandervorsätzen gelingen kann. Überzeugt euch selbst!
 

Das Wanderjahr beginnt im Januar

Gewiss ist der statistisch kälteste Monat mit durchschnittlichen 1,6 Sonnenstunden pro Tag nichts für Sonnenanbeter. Doch gerade auf einer Wanderung kann man die wenigen Sonnenstunden intensiv nutzen. "Die Ruhe, die uns in der winterlichen Natur begegnet, tut uns gut", weiß Jarle Sänger, Wanderer, Winterkind und Autor. In seinem Buch „Stock & Stein“ vermag er zu zeigen, dass die Natur in jedem Monat etwas zu bieten hat, zum Beispiel kommen Schneeliebhaber in Deutschland am ehesten im Januar auf ihre Kosten.
Der Winter ist vielleicht nicht mehr das, was er einmal war, aber in den deutschen Mittelgebirgen ab 800 Höhenmeterm ist die Wahrscheinlichkeit für Schnee im Januar am größten.

Die 10 höchsten deutschen Mittelgebirge:

1. Schwarzwald (1.493 m)                      6. Oberpfälzer Wald (1.042 m)
2. Bayerischer Wald (1.455 m)               7. Schwäbische Alb (1.015 m)
3. Erzgebirge, dt. Teil (1.214 m)             8. Thüringer Wald (983 m)
4. Harz (1.141 m)                                   9. Rhön (950 m)
5. Fichtelgebirge (1.051 m)                  10. Taunus (879 m)

In vielen Regionen gibt es Winterwanderwege, die für den Winter präpariert und ausgeschildert sind. Nur im Hochgebirge erfordert das Wandern im Winter Alpinerfahrung und Technik.

Wer den Winter so richtig erleben will, den knirschenden Schnee unter den Sohlen und die absolute Stille in einem Moment des Innehaltens, für den ist eine Schneeschuhwanderung sicherlich ein Highlight. Die Hilfsschuhe werden ganz einfach unter die normalen Wanderschuhe geschnallt und schon kann das Stapfen durch den Schnee beginnen! Ein Wintersport für Jedermann, denn durch die vergrößerte Oberfläche versinkt man weniger im Schnee. Auch für Kinder ist das ein tolles Erlebnis! Speziell markierte Schneeschuhwanderwege gibt es nicht nur in den Alpen, sondern auch in Mittelgebirgen wie Eifel und Hochsauerland, dazu vielerorts die Möglichkeit Schneeschuhe auszuleihen und/oder geführte Touren mitzumachen.

Winterwandern auf Schneeschuhen © Pixabay










 

 

 





Warm werden

"Die kurzen Tage im Januar eignen sich hervorragend für die kürzeren Wege.", rät Jarle Sänger. So können auch Anfänger mit dem Wandern warm werden. Sein Tipp: Die vom Deutschen Wanderinstitut zertifizierten Spazierwanderwege, z. B. die Traumpfädchen an Rhein, Mosel und in der Eifel oder die Traumschleifchen in der Saar-Hunsrück Region. Apropos warm werden: Anstatt einer allzu dicken Jacke, ist das Zwiebelprinzip das am wärmsten zu empfehlende Bekleidungssystem. Jarle Sänger erklärt in seinem Buch Schicht für Schicht, worauf es ankommt und wie dieses Prinzip funktinioniert.

Was bleibt vom Winterwandern, wenn es nicht schneit?

An den grau anmutenden Wintertagen ist man auch auf den sonst so gut besuchten Premiumwanderwegen relativ einsam und kann die Natur so richtig auf sich wirken lassen. Außerdem hat – ob mit oder ohne Schnee – das Ankommen in einer gemütlichen Hütte oder einer warmen Kaffeestube im Winter seinen besonderen Reiz. Sich mit einem heißen Getränk aufwärmen, vielleicht sogar einem knisternden Feuer im Kaminofen zusehen und die innere Zufriedenheit spüren, trotz des ungemütlichen Wetters rausgegangen zu sein.
 

Den inneren Schweinehund überwinden

„Dieses Gefühl danach, ein gewisser Stolz und die warme Dusche sind die eigentliche Motivation, auch im Winter immer wieder rauszugehen.“, erzählt Auszeit-Coach und Personaltrainerin Stef Rogoll. Inzwischen bietet sie ihre begleiteten Trekkingtouren nicht mehr nur in den Sommermonaten sondern das ganze Jahr hindurch an.

Wandergruppe um Auszeit-Coach Stef Rogoll (zweite v. rechts) © Stef Rogoll

„Wenn die Teilnehmer die erste Hemmschwelle einmal überwunden haben, will keiner den Rucksack wieder in den Keller stellen.“ Schon während unseres Gesprächs stecken ihre Energie und gute Laune an. Niemand werde unter Druck gesetzt, das sei auch gar nicht nötig, und am Ende wundere sich so mancher über die Kilometer, die er zurückgelegt hat und anfangs doch kaum für möglich gehalten hätte. Das sind die kleinen Auszeiten vom Alltag, die uns stärken und in denen wir unsere Akkus aufladen. Aber wie überwinde ich die erste Hemmschwelle?
 

Motivationstipps von Stef Rogoll

  • Vorsätze sind großartig! Leider sind die wenigsten konsequent. Daher ist es leichter, gemeinsam mit einer Gruppe, mit einem Partner, einer Freundin Pläne zu schmieden. Wann, an welchen Tagen möchte ich künftig was, wo und mit wem tun? Das trage ich direkt in den Kalender ein.

  • Alternativ melde ich mich bei einer Gruppe an und bezahle den Beitrag direkt, dann habe ich zumindest den Ehrgeiz, zu starten.

  • Beim Winterwandern kann ich mich zwischendurch mit einem warmen Kaffee oder Kakao aus der Thermoskanne belohnen und uns so das Unterwegssein schmackhaft machen.

  • Ich kann die Jahreszeit ganz bewusst wahrnehmen, nicht nur den Frühling und Sommer, sondern auch den Winter mit seiner knackig kalten aber frischen Luft. Beim Wandern, vor allem mit ein paar Höhenmetern, ist bisher noch jedem warm geworden, auch im Winter.

Was auch immer euch motiviert, die Freunde, der Schnee oder endlich die neue Wintermütze auszuführen, wir wünschen euch tolle Erlebnisse beim Winterwandern!


Infos:
www.private-gym.de

Für mehr Einblicke: Der Facebook Blog Du musst mal wieder raus? von Stef Rogoll


Buchtipp:
Wandern das ganze Jahr hindurch mit Jarle Sängers Buch „Stock & Stein – Das Buch vom Wandern“, Bastei Lübbe Verlag

 

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