1330 n. Chr. wurde der heutige Fernwanderweg erstmals urkundlich erwähnt und war damals ein Grenzweg zwischen den Thüringer Kleinstaaten und Verbindungsweg zwischen den Passgängen des Thüringer Waldes. Die Bezeichnungen „Rynneweg“ oder „Rynnesteig“ leiten sich aus ‚rinnen‘ (schnell laufen, rennen) und ‚stig, steig‘ (ansteigender Pfad) ab und waren damals noch Bezeichnungen für überregionale Wege, die kleiner waren als befestigte Heerstraßen, aber von Fußgängern und Berittenen zum schnellen Vorwärtskommen genutzt wurden. Neben dem Rennsteig des Thüringer Waldes gab es im gesamten deutschen Sprachgebiet mehr als 200 Rennsteige und Rennwege, die meisten von ihnen sind längst in Vergessenheit geraten. Doch durch die historische Bedeutung des Kammweges, der von Hörschel bei Eisenach über die Höhen des Thüringer Waldes und des Thüringer Schiefergebirges nach Blankenstein an der bayerisch-thüringischen Grenze führt, blieb er in den Köpfen der Menschen immer DER Rennsteig.

Lebendige Traditionen

Heute sind sowohl das Wandern auf dem Rennsteig selbst als auch die Infrastruktur entlang des Weges eine komfortable Angelegenheit. Die Markierung mit dem weißen R führt zielsicher und unverlaufbar durch die Naturlandschaften von Thüringer Wald, Frankenwald und Thüringer Schiefergebirge. Unterkünfte, Gepäcktransporte oder Transfers sind problemlos buchbar und wer Besitzer eines GPS-Gerätes ist, kann sich auf seiner Tour auf dem Rennsteig digital leiten lassen. Dennoch sind gerade an diesem geschichtsträchtigen Weg noch viele (Wander-)Traditionen wach geblieben. Dazu gehören z.B. Übernachtungen in urigen Hütten, der Wandergruß „Gut Runst“, der schon 1900 vom Rennsteigverein auf dem großen Inselsberg ersonnen wurde, oder der Brauch, einen Stein vom Anfang bis zum Ende des Weges mitzunehmen.

Im Volksmund heißt es: Der wahre Wanderfreund nimmt sich vom Ursprung des Rennsteigs einen Stein aus der Werra, trägt ihn bis zum Ende an der Saale in seiner Tasche und wirft ihn dort wieder ins Wasser. Seit dem 16. Jh. wurde der Rennsteig durch Grenzsteine markiert, die politische Hoheitszeichen darstellten. Sie standen an jenen Stellen, an denen Territorien dreier Landsherren zusammenstießen. Insgesamt wurden entlang dem Rennsteig 13 Dreiherrensteine ermittelt, von welchen heute noch neun vorhanden sind. Zeitweise kannte man sogar ‚Vierherrensteine‘.

Sportlich oder genussvoll?

Zur Zeit der Romantik erlebte der Rennsteig einen wahren Wander-Boom. Erstmals war es den Menschen möglich, über wirkliche Freizeit zu verfügen und diese in freier Natur zu verbringen. 1843 schlug Ludwig Bechstein vor, den Rennsteig in fünf Tagen zu erwandern. Heute wird der Rennsteig meistens in sechs bis acht  Etappen aufgeteilt. Andere Aufteilungen sind selbstverständlich möglich. Dabei sollten die Kondition, Übernachtungsmöglichkeiten, das Wetter und natürlich der Spaß am Wandern entscheidend sein. Die häufigste Einteilung verläuft von Hörschel zum Großen Inselsberg (32,8 km), von dort weiter nach Oberhof (30,8 km), Kahlert (27 km), Limbach (19,7 km), Steinbach am Wald (30 km) und Blankenstein (28 km). ...

 


Infos zur Region: www.thueringer-wald.com