Made for Further

Veröffentlicht von Ricarda Große am

Einen frischen Wind konnte man Anfang Oktober in den bald neuen Räumen von Jack Wolfskin in Eschborn bei Frankfurt am Main durchaus spüren. Dort trafen geladene Pressevertreter:innen, Athlet:innen und das Management aufeinander, um einen ersten Blick auf die neue Ausrichtung der Marke zu werfen.

2025 übernahm der chinesische Sportartikelkonzern Anta Sports Jack Wolfskin. Eine Übernahme, die in der Presse durchaus kritisch diskutiert wurde. Denn bereits 2011 und 2018 wechselte das Unternehmen den Besitzer und landete jeweils bei amerikanischen Konzernen. Da stellt sich zwangsläufig die Frage: Verliert die ursprünglich deutsche Marke dadurch ihre Wurzeln?

Ich würde eine etwas andere These aufstellen: Vielleicht wird die Marke vor allem internationaler – und damit auch vielfältiger. Entscheidend wird sein, wie gut es Jack Wolfskin gelingt, die eigenen Wurzeln mit neuen Impulsen zu verbinden und dabei den Blick auf das zu behalten, wofür die Marke seit jeher steht: funktionale Ausrüstung, die Menschen draußen möglichst viele Möglichkeiten eröffnet.

Jetzt wird diese neue Phase auch räumlich sichtbar. Der langjährige Standort in Idstein wird nach Eschborn verlagert. Internationaler wird es auch auf der Führungsebene, gleichzeitig scheint viel Raum für neue Ideen entstanden zu sein. Mit der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027 soll sich die neue Ausrichtung erstmals deutlicher in den Produkten zeigen. Und noch in diesem Jahr soll in München das neu gedachte Store-Design erstmals erlebbar werden.

Starker Fokus: Thru Hike

Was von diesem Abend besonders hängen blieb, war eine Mischung aus viel Motivation, Einsatz und – vielleicht am wichtigsten – einer ernst gemeinten Leichtigkeit.

Denn Jack Wolfskin wagt sich stärker in die Welt des Thru Hike. Gemeint ist leichtes, robustes Equipment für lange Strecken, erprobt unter Bedingungen, bei denen Material über Wochen oder sogar Monate funktionieren muss. Dabei fließen auch die Erfahrungen von Menschen ein, die solche Touren selbst gegangen sind und ziemlich direkt sagen: „Nein, das funktioniert so nicht – ändert das.“

Ansicht Thur Hike Ausstattung im Showroom von Jack Wolfskin

Genau dieser Ansatz macht den Gedanken dahinter nachvollziehbar. Das Equipment soll möglichst minimalistisch sein und trotzdem für unterschiedliche Situationen genügend Reserven bieten. Weniger Gewicht, ohne dabei die Funktion aus den Augen zu verlieren.

Besonders anschaulich wurde das durch die drei Thru Hiker, die ihr persönliches Lieblingsprodukt mitgebracht hatten. Die jeweiligen Teile hatten bereits viele hundert Kilometer auf dem Trail hinter sich – und sahen tatsächlich erstaunlich gut aus. Lediglich die Farben waren durch die UV-Strahlung etwas ausgebleicht. Ansonsten wirkten die Produkte beinahe wie neu. Und genau das fand ich an diesem kleinen Detail so überzeugend: Man musste nicht nur über Langlebigkeit und Belastbarkeit sprechen, man konnte sie den Produkten tatsächlich ansehen.

Mehr als nur eine Nische

Das Spannende daran: Davon müssen nicht ausschließlich Menschen profitieren, die sich selbst als Thru Hiker bezeichnen.

Auch wer bislang eher auf Tagestouren unterwegs ist und vielleicht irgendwann den Schritt auf einen Fernwanderweg wagen möchte, kann von dieser Entwicklung profitieren. Ob die Tour dann mit Zelt oder Tarp stattfindet oder zwischendurch doch ein Hotelzimmer wartet, ist dabei eigentlich nebensächlich. Eine allgemeingültige Definition davon, was einen Thru Hike ausmacht, gibt es ohnehin nicht.

Viel interessanter ist die Botschaft, die Jack Wolfskin mit der neuen Ausrichtung vermitteln möchte: Es geht weniger darum, wie schnell, wie weit oder wie hoch man kommt. Sondern um das Gefühl, mit möglichst wenig Gepäck unterwegs zu sein und den Kopf frei zu bekommen. Einen Schritt nach dem anderen zu machen und für eine Weile vielleicht tatsächlich an nichts anderes denken zu müssen.

Und ist das nicht genau der Gedanke, nach dem wir Wanderfans immer wieder greifen?

Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich dieser neue Wind durch die Marke bewegen wird. Erste Produkte haben bei mir bereits Interesse geweckt – insbesondere der Rucksack und das Fleece-Oberteil haben mich bei Material, Funktionalität und Style angesprochen.

Ein paar Produkte werden künftig preislich etwas höher als gewohnt angesiedelt sein, was Jack Wolfskin auch offen kommuniziert. Gleichzeitig bleibt der Anspruch erkennbar, funktionale und langlebige Produkte anzubieten, deren Anschaffung sich bewusst planen lässt auch mit kleinem Budget.

Vielleicht ist das am Ende gar kein so großer Bruch mit der eigenen Geschichte, wie es auf den ersten Blick scheint. Vielmehr geht es darum, sich auf das zurückzubesinnen, womit die Marke vor über 45 Jahren im Frankfurter Raum begonnen hat: Menschen mit guter Ausrüstung nach draußen zu bringen – und ihnen die Freiheit zu geben, selbst zu entscheiden, wie weit sie gehen möchten.

Weitere Infos:
www.jack-wolfskin.com/thru-hiking
www.jack-wolfskin.com/wolf-trail

Alle Bilder © Ricarda Große