Praxistest: Stirnlampen

Veröffentlicht von Ricarda Große am

Sehen und gesehen werden: Eine Stirnlampe sollte im Wandergepäck nicht fehlen sobald lange Touren bis in die Dämmerung und potentiell Nacht geplant sind, die Tage kürzer werden oder auch Höhlen und enge, dunkle Schluchten Teil des Weges sind. Auch im eigenen Zuhause ist eine Stirnlampe für handwerkliche Tätigkeiten nicht zu unterschätzen, hat man mit ihr doch immer beide Hände frei. Ebenfalls praktisch kann sie unterwegs im Auto, Wohnmobil und Campingbus sein.

Wir haben uns drei Modelle mit Preisen unter 90 Euro genauer angeschaut und erläutern für was und wen, welches Modell sich besonders gut eignet und Vorteile bietet.

Woran sollte ich beim Kauf einer Stirnlampe denken?

  • In welchem Einsatzgebiet wird die Lampe voraussichtlich besonders stark genutzt? Z. B. auf ausgedehnten Tagestouren, Trekking, Trailrunning oder explizit Nachtwanderungen?
  • Wie viel Lumen, also Leuchtkraft, benötige ich?
  • Was für eine Akkuleistung will ich haben?
  • Tragekomfort: sitzt die Lampe angenehm, lässt sie sich einfach verstellen und anpassen?

Grundsätzlich unterstützen rot, grün und blaue Lichtfarben die Orientierung in der Dunkelheit, wobei die eigene Nachtsicht schneller wieder greift, sobald keine Lichtquelle mehr leuchtet. Auch im Bereich der Tierbobachtung, wie auch der Jagd und beim Angeln sind Lichtfilter im Einsatz.

Rotes Licht strahlt in einem Wellenlängenbereich von etwa 610 bis 760 Nanometern (nm). Diese Lichtwellen sind für das Auge sehr angenehm, da die lichtempfindlichen Zellen weniger angestrengt werden. Mit Rotlicht erhältst du die Nachtsicht deiner Augen besser und schreckst tendenziell weniger Wildtiere auf als mit regulärem, grellem Licht. Außerdem blendest du andere Personen nicht ungewollt mit deinem Lichtkegel.

Rotes Licht ist als eine Leuchtoption bei vielen Stirnlampen mit eingebaut. Von den drei hier vorgestellten Modellen hat lediglich die Nao LT von Petzl kein Rotlicht.

Grünes Licht liegt im Bereich von 490 bis 575 nm. Auch hier geht es um die Schonung der eigenen Dunkelsicht. Außerdem heißt es unter Campingfans, dass grünes Licht weniger Insekten anlockt. Und auch für die Tierbeobachtung soll es sinnvoll sein.

Blaues Licht strahlt auf einer Wellenlänge etwa 400 bis 500 nm. Auch hier weiten sich die Pupillen weniger stark und die Dunkeladaption der Augen wird weniger beeinträchtigt. Nächtliches Lesen oder Kartenlesen ist z.B. mit blauen Licht gut zu machen.

IPX ist ein festgelegter Standard, der die Wasserdichtigkeit bei elektronischen Geräten beschreibt. Dabei steht die Abkürzung „IP“ für „International Protection“.

Folgt dem Kürzel „IP“ eine Kennziffer oder ein „X“?
Hierbei werden Angaben zum sogenannten Berührungs- und Fremdkörperschutz gemacht. Steht hier ein „X“, gibt der Hersteller keine Auskunft darüber, ob das Gehäuse beispielsweise staubdicht ist.

Dann folgt in der Regel eine zweite Ziffer. Diese zeigt die Wasserdichtigkeit an. Je höher diese Kennziffer ist, desto besser ist die Lampe gegen eindringende Feuchtigkeit und Wasser geschützt.

„IPX6“ als Angabe sagt also zum Beispiel, dass das Gehäuse nicht speziell staubdicht ist, aber wasserdicht: „Schutz gegen starkes Strahlwasser bzw. vor dem Eindringen von Wasser bei kurzzeitiger Überflutung“.

Mit der Schutzklasse „IP67“ ist in unserem Vergleich das Modell von Ledlenser demnach vor Staub und Wasser geschützt.

Drei Stirnlampen im Überlick

NAO®LT von Petzl – der Hybrid

Smini Fly von Silva – der Minimalist

HF6R Signature von Ledlenser – der Alleskönner

Tabellenübersicht zu den drei verglichenen Stirnlampen

NAO®LT von Petzl – der Hybrid

Mit gerade mal 90 g gehört die Stirnlampe zu den Leichtgewichten am Kopf. Daher bietet sie sich besonders gut für Draußenzeit mit wenig Gepäckvolumen an. Besonders gut gefällt uns, dass neben dem mitgelieferten Akku auch Ersatzweise drei Batterien (Größe AAA) benutzt werden können.

Die Lampe sitzt angenehm und ruckelfest am Kopf. Das Akkugehäuße wurde bewusst an den Hinterkopfaufbau verlagert, um das Gewicht am Kopf auszubalancieren. Das funktioniert sehr gut, denn die Lampe ist kaum zu spüren. Ein bisschen Frimelei kommt nur dann auf, wenn man das Haar im Pferdeschwanz oder als Dutt etwas in der Höhe nachjustieren muss, damit das Gehäuse Platz hat und gut anliegt.

Auch über eine Mütze oder Stirnband ist die Lampe problemlos anzulegen. Der Gummizug kann am Gehäuse hinten über einen Kordelstopper schnell justiert werden.

Die Lampe hat einen breiten Strahlwinkel und lässt sich stufenlos im Winkel verstellen. Mit drei Leuchtstufen von sieben bis 600 Lumen ist man bestens für alle Eventualitäten vorbereitet. Ein Reservemodus schaltet sich auf Stufe zwei und drei automatisch ein (2 Stunden mit 7 Lumen), falls der Akku Gefahr läuft leer zu gehen. Aber wie oben bereits erwähnt, könnte man fix mit Batterien Abhilfe schaffen oder naturlich mit einem Ersatz-Akku.

Die Lampe lässt sich über einen Druckknopf am Stirnmodul an- und ausstellen bzw. durch die Lichtstufen stellen. Hierrüber kann auch ein blinkendes Rotlicht am Hinterkopf sowie eine Sperrfunktion aktiviert werden.

Die NAO®LT wird mit einem Akku und einem Beutel zum verstauen geliefert. Der Akku wird per USB-C aufgeladen.

Für wen geeignet?

Die NAO® LT von Petzl ist für Wander- und Trailrunningfans, die ganzjährig draußen unterwegs sind und auch mal eine längere Touren planen besonders gut geeignet. Durch ihr leichtes Gewicht, drei Lichtstufen und die Akkulaufzeit erfüllt sie wichtige Funktionen, um schnell und einfach einsatzbereit zu sein. Sie ist einfach zu bedienen und sitzt sehr angenehm am Kopf.


Smini Fly von Silva – der Minimalist

Die minimalistische Stirnlampe Smini Fly von Silva wiegt gerade einmal 38,5 g und ist somit ein echtes Leichtgewicht. Beim Design wurde nur auf das Notwendigste geachtet: Die Lampe selbst ist klein und schlicht, das Stirnband lediglich 3 mm dick und lässt sich mit einer Schnalle einfach auf- und zuziehen, um die Größe zu verstellen.

Trotz ihres minimalistischen Aufbaus bietet die Lampe drei Leuchtstufen mit 10, 100 und 250 Lumen sowie eine Rotlichtfunktion. Alle Modi werden über eine einzelne Taste gesteuert. Der Akku (Li-Po 700 mAh) wird per USB-C aufgeladen und hält je nach Einstellung zwischen 1,5 bis 20 Stunden. Eine 4-stufige Anzeige bewahrt vor überraschend leerem Akku, während eine Sperrfunktion ein ungewolltes Einschalten verhindert. Die Lampe lässt sich zudem durch ein rotes Rücklicht oder ein alternatives Stirnband erweitern. Das Gehäuse ist wasserfest nach IPX5-Standard.

Dank ihres geringen Gewichts und Polsterung sitzt die Lampe angenehm am Kopf. Das Stirnband bietet auf kurzen Distanzen einen guten Halt, ohne zu verrutschen. Besonders praktisch: Dank des Klickverschlusses lässt sich das Band an beiden Seiten der Lampe lösen und flexibel z. B. am Rucksack anbringen. Für eine ausgewogene Gewichtsverteilung sitzt der Akku im hinteren Teil des Gehäuses. Um andere nicht zu blenden, lässt sich der Lampenkopf um 90 Grad neigen.

Für wen geeignet?

Durch ihre kompakten Maße eignet sich die Smini Fly ideal als Notfalllampe für unterwegs. Sie findet mühelos Platz im Rucksack, in der Jackentasche oder Laufweste, ideal, wenn eine Tour einmal länger dauert als geplant und im Dunkeln endet. Auch beim Abendlauf bewährt sie sich: Die Leuchtkraft reicht völlig aus, um den Weg vor sich sicher zu erkennen. Ebenso überzeugt der Preis: Mit 44,99 € ist sie eine günstige Option für alle, die nur gelegentlich eine Stirnlampe benötigen.


HF6R Signature von Ledlenser – der Alleskönner

Die Stirnlampe HF6R Signature von Ledlenser bietet mit 1.000 Lumen eine starke Leuchtkraft und eine Reichweite von bis zu 190 Metern. Sie besitzt vier verschiedene Leuchtmodi mit 20, 250, 600 und 1.000 Lumen. Dazu kommen Rot-, Blau- und Grünlicht-Funktionen. Im Adaptive Light Beam-Modus dimmt und fokussiert die Stirnlampe automatisch für eine komplett freihändige Nutzung.

Der Akku hält im Low-Power-Modus bis zu 60 Stunden und lässt sich über einen USB-C-Anschluss wieder aufladen. Im Backup Modus beträgt die verbleibende Laufzeit noch etwa eine Stunde, um im Notfall sicher den Heimweg zu finden. Zudem verfügt sie über eine Transportsperre sowie ein Temperature Control System, das vor Überhitzung schützt.

Das Stirnband liegt angenehm am und über dem Kopf an und lässt sich an zwei Stellen verstellen. Es ist mit reflektierenden Elementen ausgestattet, die für bessere Sichtbarkeit sorgen. Obwohl die Lampe mit 145 g die schwerste in unserem Test ist, fällt das Gewicht am Kopf nicht negativ auf und sie trägt sich komfortabel. Die Stirnlampe ist aus recycelten Materialien gefertigt. Im Lieferumfang sind neben dem Ladekabel auch eine zusätzliche Helmhalterung enthalten. Durch die verschiedenen Funktionen ist es auf jeden Fall notwendig, sich mit der Gebrauchsanweisung etwas länger auseinanderzusetzen.

Für wen geeignet?

Die Ledlenser HF6R Signature ist ein vielseitiger Allrounder fürs Camping, Trekking oder anspruchsvolles Trailrunning. Ihre hohe Akkukapazität macht sie zum verlässlichen Begleiter auf langen Tages- oder Mehrtagestouren, während die starke Leuchtkraft selbst kleinste Details in der Dunkelheit sichtbar macht. Dank des robusten, wasser- und staubresistenten Gehäuses (IP67) hält sie auch extremen Bedingungen problemlos stand. Ein praktisches Extra: Die integrierten Zusatzlichter in Rot, Grün und Blau.


Die Hersteller der Produkte in diesem Vergleich haben keinerlei Einfluss auf die Durchführung und das Ergebnis der Tests. Wir haben uns bemüht, die Vor- und Nachteile der Produkte, die uns während des Tests aufgefallen sind, so objektiv wie möglich darzustellen. Oberstes Ziel ist es, möglichst praxisnahe Informationen zum jeweiligen Produkt zu bieten.

Alle Bilder © R. Große & M. Wist